Donald Trump schont Apple bei seinem Handelskrieg

Schützenhilfe für Technologie-Konzern : Donald Trump schont Apple bei Strafzöllen

Importe aus China sollen teurer werden, so zumindest der Plan des amerikanischen Präsidenten. Aber das iPhone nicht.

Was ist das iPhone aus chinesischer Sicht? Wohl kein Produkt aus den Fabriken des Landes bringt weltweit mehr Geschäft als das Smartphone von Apple mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 120 Milliarden Euro– mehr als eine Million Menschen arbeiten in China bei Auftragsfertigern für Apple. Was ist das iPhone aus amerikanischer Sicht? Für wohl kein anderes Produkt außer Autos geben US-Familien wohl mehr Geld aus als für das iPhone. Und kein anderes Konsumgut eines US-Konzernes genießt ein höheres Ansehen auf der Welt - Apple ist als wertvollster Konzern des Globus auch Vorzeigeunternehmen Nummer Eins der USA.

Diese Rolle hat Apple zu einem Privileg verholfen. US-Präsident Donald Trump hat Apple-Leiter Tim Cook zugesichert, dass die Strafzölle auf Importe aus China nicht auch die vielen Millionen von dort eingeführten iPhones treffen sollen. Dies berichtet die „New York Times“. Dabei lässt die Zeitung offen, welche Motive Trump dazu brachten, bei den Zöllen auf Waren in Höhe von 200 Milliarden Dollar nun ausgerechnet iPhones und andere Apple-Produkte auszunehmen. Apple wolle drei riesige Fabriken in den USA aufbauen, verkündete Trump vor einem Jahr doch Cook tat ihm nie den Gefallen, solche Pläne zu bestätigen. Politische Freundschaft ist erst recht nicht zu vermuten: Noch kürzlich kritisierte Cook es als „unmenschlich“, dass Trump Kinder illegaler Immigranten von ihren Eltern trennen ließ, wenn diese verhaftet werden.

Den Geldbeutel der Wähler schonen

So ist eher zu vermuten, dass Trump die edlen Smartphones auch von den Einfuhrzöllen ausnimmt, um die Folgen seines protektionistischen Kurses für die Bürger nicht zu deutlich werden zu lassen. „Viele Anhänger von Trump teilen zwar seine Ideologie des America First“, sagt Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), „aber sie wollen nicht, dass dies US-Konzerne und ihren eigenen Geldbeutel trifft.“ Ähnlich sieht das Joerg Kraemer, Chefvolkswirt der Commerzbank: „Der harte Kern der Anhänger von Trump steht voll hinter seinem protektionistischen Kurs. Aber wenn er es mit den Einfuhrzöllen übertreibt, könnte dies bei anderen Bevölkerungsgruppen auch zu Widerstand führen.“

Das iPhone ist ein Massenprodukt

Die Frage ist nun, ob auch die deutschen Autokonzerne hoffen können, von Importzöllen ausgenommen zu werden, weil auch ihre Produkte begehrt sind. VW, BMW, Daimler, Porsche sind aber keine US-Anbieter - obwohl sie in den USA riesige Werke betreiben.

Zweitens ist das iPhone in den USA mit einem Marktanteil von 45 Prozent ein Massenprodukt, wogegen BMW, Daimler oder Audi bevorzugt Besserverdiener in den liberalen Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York beliefern. „Diese Staaten stimmen sowieso gegen Trump“, meint ein USA-Kenner, „und viele Trump-Anhänger werden sogar gut finden, wenn die Autos der liberalen Elite teurer werden.“

Hinzu kommt, dass Trump Deutschland neben China als Hauptwettbewerber ansieht. Krämer sagt: „Machen wir uns nichts vor. Trump ist überzeugter Protektionist und glaubt an die Abschottung des US-Marktes. Er meint auch, Deutschland wäre bei der Sicherheit ein Trittbrettfahrer auf Kosten der USA. Er wird uns also vorerst nicht vom Haken lassen.“