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China: Doch keine neue Währungspolitik

China : Doch keine neue Währungspolitik

Düsseldorf (RPO). Kurz vor dem G20-Gipfel hat China Hoffnungen auf einen grundlegenden Kurswechsel in seiner Währungspolitik einen Dämpfer versetzt. Das Land werde seine Währung auf einem vernünftigen und grundsätzlich stabilen Niveau halten, relativierte die Notenbank am Sonntag Äußerungen vom Vortag. China machte damit Erwartungen auf ein baldiges Ende der Koppelung des Yuan an den Dollar zunichte.

Erst am Samstag hatte die staatlich gelenkte Zentralbank eine schrittweise Flexibilisierung des Yuan signalisiert, was weltweit begrüßt wurde. Es werde Anpassungen geben, aber keine einmalige Aufwertung, hieß es nur einen Tag später. Damit scheint es, als würde die Volksrepublik im Streit um Handelsungleichgewichte kurz vor Beginn des G20-Gipfels doch nicht so stark einlenken wie zunächst erwartet.

Die Zentralbank wiederholte am Sonntag, es gebe keinen Grund für eine kräftige Aufwertung. Der Yuan sei von seinem wahren Niveau nicht weit entfernt. Die Notenbank werde das Verhältnis zum Dollar dynamisch gestalten und anpassen, hieß es weiter. Damit ist auch eine Abwertung nicht ausgeschlossen. Seit knapp zwei Jahren ist der Yuan fest an den Dollar gekoppelt. Das hat China vor allem in den USA den Vorwurf eingetragen, seine Währung im Interesse der Export-Wirtschaft künstlich niedrig zu halten.

Das neuerliche Zurückrudern Chinas wird wahrscheinlich zu weiterer Kritik führen. Schließlich hatten Staats- und Regierungschefs weltweit sowie die EZB sehr positiv auf das sich zunächst abzeichnende Einlenken reagiert. So sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Kiel: "Ich denke, dass die chinesische Ankündigung ein Fortschritt ist, und das macht hoffen, dass auf dem G-20-Gipfel weitere Fortschritte erzielt werden." Staaten wie die USA und Deutschland versprechen sich von einer Aufwertung des Yuan eine höhere Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industrie mit chinesischen Produkten.

Fokus auf Referenzkurs am Montag

Alle Augen werden sich am Montag auf den täglichen Referenzkurs richten, den die Zentralbank zur Wertbestimmung des Yuan ausgibt. Experten gehen davon aus, dass die Bank den Wechselkurs in winzigen Schritten und nicht in Sprüngen hochschraubt. Die Fachleute halten den Yuan für bis zu 40 Prozent unterbewertet. Seit fast zwei Jahren wird der Renminbi bei rund 6,83 Yuan pro Dollar gehalten. Die Chinesen verteidigten ihre Währungspolitik mit dem Argument, damit die Folgen der globalen Finanzkrise in Grenzen zu halten und die Erholung der Weltwirtschaft zu stützen.

"Die Weltwirtschaft erholt sich schrittweise. Die Erholung und der Aufschwung der chinesischen Wirtschaft sind solider geworden mit einer zunehmenden wirtschaftlichen Stabilität", teilte die Zentralbank am Wochenende mit. Wünschenswert sei nun, die Neuausrichtung der Wechselkurse voranzutreiben und die Yuan-Flexibilität zu erhöhen. Einen Termin für den angekündigten Kurswechsel nannte die Notenbank nicht.

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Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt hat immer wieder erklärt, sich Druck von Außen nicht beugen zu wollen. Weil der Yuan aber fest an die US-Währung gekoppelt ist, bekommt er auch den Kursverlust des Euro zu spüren und wertet zur europäischen Währung auf. Chinesische Exporte nach Europa werden deutlich teurer. Das Handelsministerium hatte schon darauf verwiesen, dass die Ausfuhren nach Europa unter Druck gerieten.

Obama erfreut über Ankündigung

US-Präsident Barack Obama begrüßte Chinas Ankündigung zur Lockerung des Wechselkurses. Das Vorhaben sei ein konstruktiver Schritt, erklärte er am Samstag. Dies könne helfen, die globale Erholung abzusichern und zu einer ausgewogeneren Weltwirtschaft beitragen. Auch Finanzminister Timothy Geithner erklärte, die Ankündigung sei ein wichtiger Schritt. Nun müsse sich aber zeigen, wie schnell und wie weit der Yuan ansteige. Eine entschlossene Umsetzung der angekündigten neuen Politik würde einen positiven Beitrag zu einem starken und ausgewogenen Wachstum der Weltwirtschaft leisten. In den vergangenen Jahren hat China massive Devisenreserven angehäuft und ist mit Abstand der größte Gläubiger der USA. Auch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn und die Europäische Zentralbank (EZB) sprachen von einer begrüßenswerten Entwicklung.

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(RTR/awei)