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DIHK-Präsident: Deutsche Unternehmen durch Trump stark verunsichert

DIHK-Präsident Eric Schweitzer : Deutsche Unternehmen sind durch Trump verunsichert

Ökonomen, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften sorgen sich wegen des auftrumpfenden Populismus um die wirtschaftliche Entwicklung.

Drohungen, Abschottung, Misstrauensäußerungen — Top-Ökonomen, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften sorgen sich zunehmend um die globale wirtschaftliche Entwicklung durch den Siegeszug des politischen Populismus. Falsche und aggressive Behauptungen, für die etwa der designierte US-Präsident Donald Trump bekannt ist, führten zur Verunsicherung und schürten Misstrauen, das sei Gift für Wirtschaft und Handel, warnen die Wirtschaftsvertreter. "Wir erleben ein gefährliches Déjà-vu der 1930er Jahre: Protektionismus, Misstrauen, Populismus", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) unlängst.

Vor allem die Unberechenbarkeit des bald mächtigsten Mannes der Welt dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftsexperten dazu führen, dass sich Investoren weltweit mit neuen Projekten eher zurückhalten werden. Der Welthandel droht sich zudem zum verlangsamen, weil Trump Strafzölle für ausländische Unternehmen angedroht hat und neue Freihandelsabkommen ablehnt. Eine allgemeine Stimmung des gegenseitigen Misstrauens, der Ausgrenzung und Abschottung kann nach Einschätzung der Ökonomen auch auf die Stimmung der Konsumenten abfärben, die private Nachfrage sinken.

Auch deutsche Wirtschaftsverbände fürchten diese Zusammenhänge. "Die deutschen Unternehmen sind durch die Situation in den USA stark verunsichert", sagte etwa Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). "Auch die erste Pressekonferenz des künftigen US-Präsidenten hat keine Klarheit gebracht, wie der wirtschafts- und handelspolitische Kurs der neuen amerikanischen Regierung sein wird", so Schweitzer. "Unsichere Zeiten sind generell Gift für Innovationen und Investitionen." Sorgen bereiteten ihm auch erste Signale zum Thema Freihandel. Das transpazifische Abkommen habe Trump bereits abgelehnt. Zu TTIP habe er sich nach dem US-Wahlkampf noch nicht geäußert. "Es wird aber sicher keine kurzfristigen Fortschritte geben. Diese Unsicherheit ist auch deshalb so nachteilig, weil die Vereinigten Staaten der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Exporteure sind: Deutsche Unternehmen haben 2016 allein bis Oktober Waren für fast 90 Milliarden Euro in die USA exportiert", sagte Schweitzer.

Die veränderte politische Lage lässt auch Gewerkschafter nicht kalt. "Trotz guter Arbeitsmarktlage leben viele Menschen in Sorge und Unsicherheit, das macht sie anfällig für populistische, rückwärtsgewandte und national-soziale Antworten", sagte Reiner Hoffmann, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Er warnte davor, selbst mit Abschottung auf die Entwicklung in anderen Ländern zu reagieren. "Es wäre ein Trugschluss zu meinen, dass es uns besser geht und AfD und Pegida wieder schwächer werden, wenn wir die Grenzen wieder hochziehen. In Großbritannien erleben wir, dass Arbeitsplatzverluste drohen, wenn sich ein Land abschottet", sagte Hoffmann.

Auch IfW-Chef Snower ist mehr als besorgt. "Wenn alles schiefgehe, könnten Strafzölle einen Handelskrieg zwischen den USA und China auslösen, warnte er. Daraus könne am Ende sogar eine neue Weltwirtschaftskrise entstehen. So weit ist es jedoch längst noch nicht.

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(mar)