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Dietrich Voigtländer verlässt Portigon - mit sofortiger Wirkung

Überraschung bei WestLB-Nachfolger : Dietrich Voigtländer verlässt Portigon

Drei Wochen nach dem Abgang von NRW.Bank-Chef Dietmar Binkowska bekommt auch die zweite Bank im Eigentum des Landes NRW einen neuen Chef: Dietrich Voigtländer scheide mit sofortiger Wirkung als Vorstandschef aus, teilte die WestLB-Nachfolgerin Portigon überraschend mit.

"Herr Voigtländer hat . . . herausragenden Einsatz für die Bank gezeigt und sie in einer schwierigen wirtschaftlichen und regulatorischen Situation geführt. Dafür gilt ihm unser Dank", erklärte Aufsichtsratschef Friedhelm Plogmann. Nachfolger Voigtländers wird Vorstandskollege Kai Wilhelm Franzmeyer. Voigtländer, dessen Vertrag Ende 2012 um fünf Jahre verlängert worden war, bekommt einen Auflösungsvertrag.

Die PAG bekommt einen neuen Chef. Foto: DPA

Über die Gründe für den kurzfristigen Abschied wird spekuliert. Portigon und das NRW-Finanzministeium wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Voigtländer habe sich bei dem von der EU-Kommission bis Ende 2016 verlangten Verkauf der Servicegesellschaft Portigon Financial Services (PFS) nicht ausreichend unterstützt gefühlt, hieß es im Umfeld der Bank. Wie unsere Redaktion aus Kreisen des Landtages erfuhr, soll Voigtländer zuletzt mit dem NRW-Finanzministerium aneinandergeraten sein. Hintergrund war wohl ein Streit im Zusammenhang mit dem PFS-Verkauf. Voigtländer forderte mehr Unterstützung vom Land, als das Finanzministerium zu gewähren bereit war.

Die PFS hat ein grundlegendes Problem. Sie hat kaum Kunden. Deshalb sollte die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), die die Giftpapiere der WestLB abwickelt, und bei der das NRW-Finanzministerium mit Staatssekretär Rüdiger Messal (SPD) den Kopf des Verwaltungsrates stellt, über einen langfristigen Dienstleistungsvertrag mit der PFS den Grundumsatz sichern. Streit gab es offenbar um die Konditionen dieses Vertrages. Voigtländer vertrat die Ansicht, die Dienstleistung müsse von der EAA auch langfristig üppig bezahlt werden. Begründung: Je länger die Problempapiere bei der EAA liegen, desto schlechter würden sie vom Markt akzeptiert. Messal forderte hingegen, dass die Zahlungen der EAA an die PFS immer kleiner werden müssen, weil ja auch das zu betreuende Portfolio schrumpfe.

Über diesen Streit riss auch der selbstgesteckte Zeitrahmen für den Verkauf der PFS. Ursprünglich sollten die internen Vorbereitungen für die Ausschreibung schon im März abgeschlossen sein, die Ausschreibung selbst sollte spätestens im Juni beginnen und der Käufer noch in diesem Jahr gefunden werden.

Nach dem Abgang von Binkowska und Voigtländer sorgt sich die Opposition im Landtag um den Umgang der Landesregierung mit ihren Spitzenbankern. Der finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Marcus Optendrenk, sagte: "Es ist außergewöhnlich, dass dem Land innerhalb weniger Tage zwei Spitzenbanker abhanden kommen." NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) müsse "erklären, wie es zu dieser Baustelle kam und wie er sie aufräumen will". Ähnlich äußerte sich Optendrenks FDP-Amtskollege Ralf Witzel: "Wenn der Verkaufsprozess durch diese ungewöhnliche Lage nicht gefährdet werden soll, muss der Finanzminister sie zügig erklären."

(felt)