Dieselskandal kostet Volkswagen bisher 30 Milliarden

Autobauer : Dieselskandal kostet Volkswagen bisher 30 Milliarden

Allein in Deutschland sind mehr als 60.000 Verfahren unzufriedener Dieselkunden anhängig. Doch jenseits des Skandals laufen die Geschäfte ganz gut.

(dpa) Volkswagen hat trotz trüber Autokonjunktur im ersten Quartal wenig Federn lassen müssen. Dafür kostet der Skandal um manipulierte Dieselmotoren erneut mehr Geld. Sondereinflüsse aus Rechtsrisiken von einer Milliarde Euro sorgten für Gewinneinbußen, wie der Branchenprimus mitteilte. Die Bewältigung von „Dieselgate“ kostete Volkswagen inzwischen 30 Milliarden Euro.

Mit Blick auf die Konkurrenz fielen die Zahlen relativ stark aus, urteilte NordLB-Analyst Frank Schwope. Konzern-Finanzchef Frank Witter sprach von einem guten Start ins Jahr. Dennoch wirkten sich der schwache Markt in China und die Milliardenkosten für Rechtsstreitigkeiten aus: Unter dem Strich verdiente der Konzern im ersten Quartal 3,05 Milliarden Euro und damit 7,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

In der Abgasrechnung seien Kosten für Rechtsanwälte, Vergleiche und ausstehende Verfahren enthalten, sagte Witter. Damit seien derzeit absehbare Kosten abgedeckt, weitere aber nicht ausgeschlossen. Das meiste Geld floss bis dato in Nordamerika, wo der Konzern teure Vergleiche geschlossen hatte. Die Folgen des Dieselskandals werden den Konzern weiter belasten: Allein in Deutschland sind mehr als 60.000 Verfahren unzufriedener Dieselkunden anhängig. Dazu kommen milliardenschwere Klagen von Aktionären, die sich vom Konzern zu spät über das finanzielle Ausmaß der Dieselaffäre informiert fühlen.

Die Kernmarke VW hatte besonders an den Rechtsrisiken zu knabbern, diese belaufen sich auf 400 Millionen Euro. Die Stammmarke steigerte ihr Ergebnis im ersten Quartal von 879 Millionen Euro auf 921 Millionen Euro. Neben Kosteneinsparungen war vor allem ein Schwenk hin zu teureren Autos dafür verantwortlich. Die Erlöse der Marke kletterten so auf Jahressicht trotz geringerer Auslieferungen um 7,1 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen will zusätzlich zum laufenden Sparprogramm bei der Marke weitere bis zu 7000 Stellen in der Verwaltung streichen, um den Kern des Konzerns stärker auf Rendite zu trimmen.

Im ersten Quartal lieferte der Konzern 2,6 Millionen Fahrzeuge aus, 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz stieg leicht auf 60 Milliarden Euro. Die Tochter Audi verdiente nur noch 1,1 Milliarden Euro, 200 Millionen weniger. Grund seien Probleme mit dem neuen Abgasstandard WLTP. Die Verkaufszahlen von Elektroautos will VW nun auf über 100.000 vervierfachen, 2020 sollen es mehr als eine halbe Million sein.

(dpa)
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