Diesel-Skandal: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Audi-Chef Stadler

Diesel-Skandal : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Audi-Chef Stadler

Seit mehr als einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Abgas-Affäre gegen Audi. Nun rückt Audi-Chef Stadler in den Mittelpunkt, seine Privaträume wurden durchsucht. Aktionärsschützer fordern seinen Rücktritt.

In der Abgas-Affäre bei Audi werden jetzt auch Audi-Chef Rupert Stadler und ein weiteres Vorstandsmitglied der Volkswagen-Tochter als Beschuldigte geführt. Zur Sicherung von Beweismaterial seien am Montag die Privatwohnungen der beiden Beschuldigten durchsucht worden, teilte die Staatsanwaltschaft München II mit.

Ihnen werden jeweils Betrug sowie „mittelbare Falschbeurkundung“ zur Last gelegt. Hierbei gehe es um das auf den Markt bringen von mit manipulativer Abgassteuerungssoftware ausgestatteter Diesel-Kraftfahrzeuge in Europa. „Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft“, sagte ein Audi-Sprecher.

Aktionärsschützer fordern Rücktritt von Stadler

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert angesichts des Betrugsverdachts den Rücktritt von Audi-Chef Stadler. „Wie für jeden gilt auch für Herrn Stadler die Unschuldsvermutung. Dennoch: Es ist höchste Zeit, dass er als Audi-Chef zurücktritt“, sagte DSW-Experte Andreas Breijs unserer Redaktion. „Entweder hat er von dem Betrug nichts gewusst, dann muss er die Verantwortung für das Organisationsversagen übernehmen. Oder er hat etwas von den Manipulationen gewusst, und darauf deutet einiges hin, dann muss er dafür gerade stehen.“

Zugleich betonte Breijs: „Wäre Audi ein normales Unternehmen ohne eine Mutter, die selbst in die Affäre verstrickt ist, hätte Herr Stadler schon längst seinen Hut nehmen müssen.“ Leider habe die Verstrickung von Autokonzernen, Aufsichtsbehörden und Politik eine wirksame Aufklärung bislang verhindert. „Audi und VW haben dem Autostandort Deutschland massiven Schaden zugefügt, das wird noch viele Arbeitsplätze kosten.“

Die Zahl der Beschuldigten im Ermittlungsverfahren ist damit auf 20 gestiegen. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Audi, in den USA und Europa ab 2009 mindestens 210.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft zu haben. Sie ermittelt wegen Betrugs und strafbarer Werbung. Anfang Februar hatten Staatsanwälte die Audi-Zentrale in Ingolstadt und Büros im Werk Neckarsulm durchsucht.

Wenig später wurden die Privatwohnungen und in einem Fall auch den Arbeitsplatz dreier weiterer Beschuldigter durchsucht. Bei zweien von ihnen handelt es sich nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft um ehemalige Vorstandsmitglieder von Audi. Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten mitverantwortlich dafür gewesen seien, zumindest einen wesentlichen Teil der mit manipulierten Dieselmotoren ausgestatteten Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, hatten die Ermittler damals mitgeteilt. Der betroffene Arbeitsplatz sei nicht mehr bei Audi angesiedelt.

Als einziger Beschuldigter kam der ehemalige Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er war im September 2017 festgenommen worden. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

In einer spektakulären Aktion hatte die Staatsanwaltschaft München am 15. März 2017 während der Jahres-Pressekonferenz von Audi-Chef Rupert Stadler in Ingolstadt die Konzernzentrale durchsucht. Damals ging es um 80.000 in den USA verkaufte Autos. Nach Rückrufen des Kraftfahrtbundesamts für 127.000 in Europa verkaufte Autos mit Schummelsoftware waren die Ermittlungen erweitert worden.

(das/AFP/dpa)
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