Diesel-Affäre: Ehemaliger Audi-Manager kommt gegen Kaution frei

Diesel-Affäre : Ehemaliger Audi-Manager kommt gegen Kaution frei

Neun Monate saß er in Untersuchungshaft, gegen den ehemaligen Manager von Audi wird in der Diesel-Affäre ermittelt. Aber nun ist er freigelassen worden - nachdem er drei Millionen Euro als Kaution hinterlegt hatte.

Ein wegen seiner Verwicklungen im Dieselskandal in Untersuchungshaft sitzender ehemaliger Manager von Audi ist am Dienstag gegen Kaution freigekommen. Wie sein Anwalt Peter Gauweiler sagte, musste der 59-Jährige drei Millionen Euro Kaution hinterlegen und seinen Ausweis abgeben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte diese Angaben. Der Mann war bis zum Bekanntwerden des Dieselskandals Vorstand beim Autobauer Porsche. Zuvor hatte er die Motorenentwicklung bei Audi und im gesamten Volkswagenkonzern verantwortet.

Der ehemalige Manager war seit Ende September wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft und hatte dagegen schon erfolglos Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht eingelegt. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft München II werfen ihm unter anderem Betrug beim Verkauf von hunderttausenden Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung auf dem europäischen Markt vor.

Gauweiler betonte, sein Mandant habe die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stets bestritten. "Es ist aus einer Reihe von Gründen dringend geboten gewesen, dass das Oberlandesgericht den Haftbefehl nun außer Vollzug setzt". Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, darf der Manager Deutschland nicht verlassen und auch keinen Kontakt zu anderen Zeugen oder Beschuldigten aufnehmen. Dazu zählt demnach etwa der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn.

Wegen des Vorwurfs des Betrugs sitzt auch der beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft. Er war vor gut einer Woche verhaftet worden, weil er Zeugen beeinflusst haben soll. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte im Laufe der Ermittlungen sowohl die Unternehmenszentrale als auch Stadlers Wohnhaus durchsucht.

Kraftfahrzeug-Bundesamt will Audi inspizieren

Nach der Staatsanwaltschaft nimmt auch das Kraftfahrzeug-Bundesamt (KBA) den Dieselskandal bei Audi vor Ort in Ingolstadt unter die Lupe. Die Fachleute der Behörde wollen sich am Mittwoch „bei Audi über den aktuellen Stand der Aufklärungsarbeit in der Dieselkrise informieren“, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. „Wir wissen, dass wir viel Vertrauen zurückgewinnen müssen“, berichtete Audi-Einkaufsvorstand Bernd Martens, Leiter der internen Taskforce, die die Dieselkrise aufarbeiten soll.

Ein Thema der Untersuchung durch das KBA soll die Überarbeitung der Steuersoftware für die Dieselmotoren sein. Außerdem will das Kraftfahrtbundesamt wissen, ob Audi das neue internationalen WLTP-Prüfverfahren für die Abgas- und Verbrauchswerte vorschriftsmäßig umsetzt - eine wesentliche Voraussetzung für die Erteilung der so genannten Gesamtbetriebserlaubnis für neue Fahrzeuge durch das Bundesamt. „Unser höchstes Interesse gilt der rückhaltlosen Aufklärung“, sagte Martens. „Das wollen wir morgen bei der Zertifizierung auch an unseren Prüfständen unter Beweis stellen.“

(wer/AFP/rtr/dpa)
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