Fragen und Antworten Was der neue Lufthansa-Streik bedeutet

Düsseldorf/Frankfurt · Ab Donnerstag hat Verdi zum zweitägigen Arbeitskampf bei den Bodendiensten von Lufthansa aufgerufen. Mehr als 200.000 Passagiere werden betroffen sein. An den Airports Düsseldorf und Köln werden aber nur wenige Flüge direkt ausfallen. Was Passagiere beachten müssen.

 Am meisten wird vom Verdi-Streik wahrscheinlich Frankfurt als Hauptflughafen von Lufthansa betroffen sein.

Am meisten wird vom Verdi-Streik wahrscheinlich Frankfurt als Hauptflughafen von Lufthansa betroffen sein.

Foto: dpa/Boris Roessler

Die Gewerkschaft Verdi ruft ab Donnerstag das Lufthansa-Bodenpersonal in Deutschland zum zweitägigen Warnstreik auf. Mehr als 200.000 Passagiere werden betroffen sein, so Lufthansa. In Düsseldorf werden voraussichtlich fast alle Lufthansa-Flüge nach Frankfurt und München gestrichen, den zwei Hauptflughäfen des Konzerns. In Köln-Bonn werden Lufthansa-Flüge nach München wegfallen. Hintergrund des Streiks sind die laufenden Tarifverhandlungen am Boden bei Lufthansa-Technik, Lufthansa Cargo und einigen anderen Konzerngesellschaften.

Wie lange dauert der Arbeitskampf?

Für die „passagiernahen Bereiche“ beginnt der Arbeitsausstand am Donnerstagmorgen um 04.00 Uhr und endet am Samstagmorgen um 07.10, wie Verdi mitteilt. Dies bedeutet, dass es bei Lufthansa auch am Samstag noch Schwierigkeiten geben kann. Insgesamt läuft der Streik also 59 Stunden.

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Diese Rechte haben Passagiere bei einem Flughafen-Streik

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Wie stark ist der Flughafen Düsseldorf betroffen?

Der Flughafen Düsseldorf kann damit rechnen, dass die meisten Flüge stattfinden. Zeitweise kann es zu Verzögerungen bei den Abflügen kommen, da ein zur Lufthansa-Gruppe gehörende Dienstleister für die sogenannten Pushbacks vom Streikaufruf betroffen ist.


Was macht der Flughafen Düsseldorf?

Um die Auswirkungen auf die Passagiere zu begrenzen, bereitet sich der Flughafen intensiv mit Airlines und Abfertigungspartnern auf die Streiktage vor. So werden voraussichtlich Maschinen mit frühen Abflugzeiten auf Abstellpositionen umpositioniert, von denen sie mit eigener Kraft und ohne Unterstützung eines Push-Fahrzeugs abrollen können. Beim letzten Streik des Lufthansa- Bodenpersonal am 20. Februar war die Vorsorge des Airports Düsseldorf sehr erfolgreich. „Die Passagiere erlebten einen normalen Flugbetrieb mit reibungslosen Abfertigungsprozessen bei insgesamt rund 280 Starts und Landungen“ erklärte der Airport damals. Da der jetzige Streik aber zwei Tage dauert, könnte es etwas schwieriger sein, alle Abläufe gut zu organisieren.

Was bedeutet der Streik für die Lufthansa-Tochter Eurowings?

Die in Düsseldorf und Köln dominante Eurowings ist vom Streik nicht betroffen. Die große Frage ist, was mit Passagieren aus NRW passiert, die am Donnerstag und Freitag über die großen Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München Flüge gebucht haben, zu denen sie von hier aus anreisen wollten. Wenn die Flüge ab Frankfurt oder München im Notflugplan gestrichen werden, werden diese Passagiere auf andere Routen umgebucht. Dann kann gut sein, dass sie per Eurowings nach Zürich oder Wien gebracht werden, weil die dortigen Lufthansa-Ableger Swiss und Austrian dort ihre Hauptflughäfen haben.

Kann es sein, dass ein Lufthansa-Passagier in die USA am Ende mit Air France über Paris reist?

Ja. Sofern es Lufthansa nicht gelingt, im eigenen Konzernverbund eine Alternativroute anzubieten, wird Passagieren eventuell auch ein Flug mit einer anderen Airlinegruppe wie Air France-KLM angeboten. Lufthansa versucht aber, dies zu vermeiden, weil dann die fremde Airline Geld für den Transport erhält.

Kann ein Passagier einen für Donnerstag oder Freitag geplanten Flug schon vorzeitig antreten?

Wenn ein Flug gestrichen wird, versucht Lufthansa eine Alternative anzubieten. Dann ist auch denkbar, einen Passagier vorzeitig reisen zu lassen. Da aktuell Nebensaison ist, könnte häufig noch ein Platz frei sein. Außerdem können Passagiere ihren Flug auch ganz stornieren.

Davon abgesehen, können Reisende im Prinzip immer umbuchen. Das kann allerdings einen hohen Aufpreis kosten, sofern der Reisende oder die Reisende von sich aus umbucht. Wenn dagegen umgebucht wird, weil die Airline den Flug streicht, ist dies kostenfrei.

Warum wird überhaupt gestreikt?

Verdi fordert eine deutliche Gehaltserhöhung. Das aktuelle Angebot des Konzerns sei völlig unzureichend, erklärte Verhandlungsführer Marvin Reschinsky.

Was meint Lufthansa?

Personalvorstand Michael Niggemann verurteilt den neuen Streik scharf. „Es wird immer deutlicher, dass Verdi statt einer Lösung dieses Tarifkonflikts gezielt die Eskalation sucht – es wird weitaus mehr gestreikt als verhandelt. Die mehrfachen Nachbesserungen unseres Angebots, das oberhalb des Verdi-Abschlusses für den öffentlichen Dienst liegt, wurden jeweils nur mit der nächsten Streikankündigung beantwortet.“

Der Konzern ist bereit zu sofortigen neuen Gesprächen, allerdings ohne Vorbedingungen.

Was ist der wahre Hintergrund des Arbeitskampfes?

Verdis Hauptziel ist, mehr Mitglieder zu finden, um damit dauerhaft stärker zu sein. Darum hat die Gewerkschaft ein hohes Interesse daran, dass es bei Tarifverhandlungen auch zu Streit und einer breiten Berichterstattung kommt. Warnstreiks in sensiblen Bereichen der Volkswirtschaft sind dafür das beste Mittel. Sie führen in der Regel auch zu einer Mobilisierung der Mitglieder und neuen Eintritten in die Gewerkschaft. Außerdem erwarten die Mitglieder tatsächlich relativ hohe Lohnabschlüsse, um die Folgen der Inflation auszugleichen. Sie wissen auch, dass Personal immer knapper wird.

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