IT-Probleme Die Postbank-Last der Deutschen Bank

Düsseldorf · Die IT-Probleme beim Bonner Ableger des größten deutschen Geldhauses sind bis heute nicht vollständig behoben – zum Leidwesen der Kunden. Was die in regelmäßigen Abständen bis heute beklagen.

 Die Logos der Deutschen Bank und der Postbank

Die Logos der Deutschen Bank und der Postbank

Foto: dpa/M. Skolimowska

Mangelnden Realitätssinn kann man dem Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing nicht vorwerfen: Als er jüngst vor der Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses sprach, ließ er keinen Zweifel daran, dass der Kundenservice noch weiter verbessert werden müsse. Wer Sewing schon mal erlebt hat und die häufig zurückhaltende Art der Formulierung von Managern beim öffentlichen Ansprechen von mehr oder weniger großen Problemfeldern kennt, der kann sich vorstellen, dass manches, was im Frankfurter Konzern nicht gelingt, den Konzernlenker gewaltig fuchsen dürfte.

Ganz weit oben auf der Liste der Ärgerthemen steht vermutlich immer noch die IT-Technik im Konzern mit ihren Auswirkungen vor allem auf die Kunden der Postbank. Seitdem die Deutsche Bank versucht, die Daten der zwölf Millionen Kunden des einst börsennotierten Bonner Geldhauses und die von sieben Millionen eigenen Kunden auf eine Plattform zu bekommen, klemmt es in Sachen IT beim Branchenführer gewaltig. Die Leidtragenden waren häufig jene, die bei der Postbank dann keinen Zugriff mehr auf ihr Konto hatten, die beispielsweise keine Überweisungen mehr tätigen konnten oder andere Probleme hatten. Im September 2023 rügte die Finanzaufsicht Bafin die Bank „wegen verschiedener Störungen im Online- und Mobile-Banking sowie der mangelnden Erreichbarkeit des telefonischen Kundendienstes“. Zudem gab es Ärger um Pfändungsschutzkonten.

Seit der Mahnung durch die Finanzaufsicht sind acht Monate vergangen, in denen sich Sewings damalige Vorhersage, das IT-Problem werde die Deutsche Bank auch noch im vierten Quartal beschäftigen, als falsch erwiesen hat. Es dauert nämlich noch länger. Die Rückstände bei den Kundenanfragen seien trotz der Aufstockung der Belegschaft um rund 800 Beschäftigte noch nicht komplett abgearbeitet, hat ein Sprecher der Deutschen Bank jüngst gesagt.

Und es kommen regelmäßig neue dazu, die ebenso regelmäßig einen hörbaren öffentlichen Aufschrei auslösen. Der dann bisweilen außen vor lässt, dass auch andere Unternehmen mit der Technik kämpfen und wie zuletzt keine internen Probleme die IT-Leistungsfähigkeit der Postbank beeinträchtigen, sondern die Ursache bei einem externen Dienstleister liegt. Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom und 1&1 waren zu Beginn dieser Woche ebenso betroffen, doch im Fokus steht meist das einstige Bundespost-Unternehmen. „Schon wieder Probleme bei der Postbank“, hieß es daraufhin zuletzt.

Wer allein die Beschwerden in diesem Jahr verfolgt, sieht, wie sehr es hapert: Mal beklagen Nutzer auf der Website www.allestoerungen.de, dass Gehälter oder Bürgergeld nicht eingegangen seien, dass Kartenzahlungen nicht funktionierten, dass Onlinezugänge nicht erreichbar seien. Eine Kundin beklagt, dass sie vor Monaten alle Kontoverbindungen gekündigt, aber immer noch keinen Kontakt zur Bank habe, eine andere, dass Konten nicht korrekt gelöscht worden seien und weiterhin Gebühren abgerechnet würden. Im Februar musste die Postbank an einem Vormittag alle Filialen schließen, weil die Alarmanlagen nicht mehr funktionierten. Auch da lag der Grund für die Panne bei einem externen Dienstleister. Aber es interessiert die Kundschaft am Ende herzlich wenig, wer verantwortlich ist, sondern nur, dass der Betrieb mal wieder nicht läuft.

Das Image leidet aber nicht nur unter den IT-Problemen, sondern auch darunter, dass die Postbank als Ort für Postdienstleistungen immer mehr ausfällt. Das wiederum ist kein Unternehmensspezifikum, sondern eine Folge davon, dass auch bei der Postbank ein immer größerer Teil der Kundschaft seine Geschäfte online erledigt. Da lohnt sich eine Niederlassung dann irgendwann nicht mehr.

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