Google, Yahoo, Facebook: Die Macht im Internet wird neu verteilt

Google, Yahoo, Facebook : Die Macht im Internet wird neu verteilt

Den Kampf gegen Google hat Yahoo schon lange verloren. Dann kamen die sozialen Medien und verdarben auch noch das Werbegeschäft. Mit dem Kauf von Tumblr will der Internet-Pionier den Markt wieder aufrollen.

In der Internet-Branche liefen die Uhren schon immer schneller. Schneller als in der klassischen Industrie steigen Unternehmen auf, ebenso schnell kann es wieder bergab gehen. Das musste vor allem Yahoo erfahren. 1994 von jungen Stanford-Doktoranden gegründet, stieg Yahoo rasch zum führen Suchmaschinen-Betreiber auf. Doch schon vier Jahren später kam Google. Das US-Unternehmen hatte bald nicht nur die besseren Suchmaschinen entwickelt, sondern auch Methoden, trotz der Gratiskultur im Netz Geld zu verdienen.

Zuvor hatten nur Unternehmen, die Waren — Hardware wie IBM oder Software wie Microsoft — herstellten, Gewinne in der neuen Welt machen können. Dass man auch hier auch von rein werbefinanzierten Angeboten leben kann, zeigte sich erst später.

Hierauf gründeten sich die Hoffnungen, die mit der dritten Welle von Internet-Unternehmen verbunden sind: den sozialen Netzwerken. Was mit digitalen Jahrbüchern von College-Studenten anfing, wurde zu einem neuen Geschäftsmodell. Mit dem Börsengang vor einem Jahr bekam Facebook den Ritterschlag als ernst zu nehmendes, wenn möglicherweise auch maßlos überschätztes Unternehmen.

Yahoo unter Druck

Und diese sozialen Netzwerke setzen dem alt gewordenen Pionier Yahoo weiter zu. Facebook kennt Alter, Geschlecht und andere Details seiner Nutzer. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter weiß einiges über seine Nutzer. Entsprechend interessant sind beide für die Werbewirtschaft, die stets nach Wegen sucht, zielgenau zu werben und Streuverluste zu vermeiden.

Yahoo weiß nur, welche Seiten seine Nutzer suchen. Der Konzern drohte endgültig abzurutschen. Dann holte er 2012 Marissa Mayer — ausgerechnet vom Konkurrenten Google. Und die warb nicht nur Dutzende Google-Manager ab und machte Schluss mit allzu viel Heimarbeit, sondern holt nun zum Befreiungsschlag aus. Für stolze 1,1 Milliarden Dollar kauft Yahoo Tumblr, den bekanntesten Blogdienst der Welt, der mitbringt, was Yahoo nicht hat: junge Kunden (die Hälfte der Nutzer sind unter 25 Jahre) und werberelevante Informationen über sie (Tumblr erfasst ähnliche Daten wie Twitter). Eine Milliarde Dollar sind viel Geld, zumal Yahoo es für ein Unternehmen ausgibt, das zwar 100 Millionen Nutzer hat, aber nur magere 13 Millionen Dollar im ersten Quartal umsetzte. Bei Google, der 2007 eine ähnlich stolze Summe für das Video-Portal YouTube ausgab, ging die Rechnung auf. YouTube ist heute eine der meistbesuchten Seiten.

"Wir werden es nicht vermasseln"

Ob das bei Yahoo auch funktioniert, wird sich zeigen. Einen Fehler, den Yahoo bei frühen Zukäufen oft gemacht hat, will Marissa Mayer jedenfalls vermeiden: Sie will Tumblr nicht die Seele nehmen. "Wir versprechen, es nicht zu vermasseln", versprach sie. Gründer David Karp verkauft zwar seine Anteile, bleibt aber als Chef an Bord. Die Inhalte sollen weiter nicht kontrolliert werden, auch wenn es heißt, dass zehn Prozent der Tumblr-Inhalte Gewalt und Pornografie zeigen.

Ob Yahoo annähernd zu alter Stärke aufsteigt, wird davon abhängen, ob Tumblr jung zu bleiben versteht. Facebook wird oft schon als "Old daddy's network" belächelt, als Papis Netzwerk. Das schreckt manchen jungen Nutzer ebenso ab wie die in dieser Frage gnadenlose Werbe-Industrie. Und es wird davon abhängen, ob Tumblr zum Renner auf Smartphones wird. Klassische PC verlieren seit Jahren Marktanteilen, Gewinner sind mobile Dienste.

Einer, der es seit Jahren schafft, immer obenauf zu schwimmen, ist Apple. Doch der wertvollste Konzern der Welt, der zeitweise einen Börsenwert von 600 Milliarden Dollar hatte, spielt in jeder Hinsicht in einer anderen Liga.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Marissa Ann Mayer soll Yahoo retten

(RP/felt/csi/csr)
Mehr von RP ONLINE