1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Warenhaus-Kette: Die Karstadt-Eigner schweigen weiter

Warenhaus-Kette : Die Karstadt-Eigner schweigen weiter

Angeblich plant Nicolas Berggruen den Verkauf der Warenhaus-Mehrheit an seinen Partner René Benko. Äußern wollen sich beide nicht zu den Spekulationen. Die Belegschaft ist zutiefst verunsichert über die Zukunft ihres Arbeitgebers.

Für die Beschäftigten in der Karstadt-Zentrale und in den Warenhäusern wäre es vermutlich wie eine Erlösung gewesen, wenn sich Eigentümer Nicolas Berggruen nicht nur mit Worten, sondern mit Taten zu ihnen bekannt hätte. Stattdessen klagte er über die Probleme des Warenhaus-Geschäfts und verweigerte jede eigene Investition. Jetzt plant er angeblich einen weiteren Teil-Ausstieg.

Laut "Bild" will er für einen Euro die Mehrheit am Warenhaus-Geschäft an die Signa Holding seines Partners René Benko verkaufen. Damit wäre Berggruen in keiner der drei Karstadt Sparten - Warenhaus, Sports, Premium - mehr der entscheidende Mann, nachdem er drei Viertel der Anteile an den Sporthäusern und den Premium-Häusern in Hamburg, München und Berlin schon 2013 an Benko und Co. abgegeben hatte.

Was das für Karstadt zu bedeuten hätte, weiß niemand. Und die Protagonisten hüllen sich wie üblich in solchen Fällen in Schweigen. Sämtliche Appelle des Betriebsrates und der Gewerkschaft Verdi, sich endlich mal zu outen und ihre Pläne offenzulegen, prallen an dem Duo ab. Auch Benko hatte nach dem Rücktritt von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt zu Wochenbeginn jede Stellungnahme zum Abgang der Schwedin abgelehnt, obwohl sie doch formal auch die Spitzenmanagerin für die Sport- und Premiumhäuser war. Längst wird in Essen darüber spekuliert, dass die Ex-Ikea-Managerin sich verabschiedet habe, nachdem sie von den Verkaufsplänen Berggruens erfahren habe.

Das ewige Schweigen der Karstadt-Eigner lähme die Belegschaft, heißt es aus dem Umfeld der Zentrale. Die Aufbruchstimmung, die Sjöstedt in den 133 Tagen ihrer Amtszeit anscheinend verbreitet hatte, ist längst verflogen. Insider beschreiben die überwiegende Mehrheit der Karstadt-Beschäftigten als zweigeteilt: jene, die verunsichert und verängstigt "die Füße still halten", weil sie fürchten, eher heute als morgen ihren Job zu verlieren, und solche, die nicht wieder einen Sparbeitrag leisten wollen und längst bereit zum Streik wären.

Ein neuer Arbeitskampf würde die Fronten indes noch weiter verhärten. Und die Lage ist schon verfahren genug. Jüngst hat die Gewerkschaft Verdi bei Karstadt angefragt, wann und wie weitere Gespräche über Standort- und Beschäftigungssicherung sowie die Rückkehr in die Tarifbindung denkbar wären. Die Antwort: keine Antwort. Das Unternehmen braucht dringend Geld für den Weihnachtseinkauf, aber die Liquidität ist auf angeblich weniger als 100 Millionen Euro zusammengeschmolzen. Der Investitionsstau in den Filialen soll sich mittlerweile im Milliardenbereich bewegen. Aufsichtsratschef Stephan Fanderl, der schon als möglicher Interimsmanager im Chefsessel gehandelt wird, hatte schon früher tiefere Einschnitte angedeutet.

  • Fotos : Bauboom rund um den Kö-Bogen in Düsseldorf
  • Essen : Karstadt-Chefin geht nach 133 Tagen
  • Warenhauskette in der Krise : Zittern nach Schock: Verhandelt Berggruen über Karstadt-Verkauf?

Würde Benko tatsächlich die Mehrheit am Warenhausgeschäft übernehmen, wäre das wohl nicht anders. Einen "kontrollierten Sinkflug" nennt Thomas Roeb, Handelsprofessor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, das, was er für eine mögliche Entwicklung bei Karstadt hält. Roebs Planspiel: Benko könnte die Immobilien langfristig in eine Art Center umwandeln, indem er die Flächen als eigene Shops untervermietet. Dazu müssten die Gebäude allerdings grundlegend umgebaut und modernisiert werden. "Karstadt hätte hier zwei Funktionen: Benko kann nicht alle Gebäude gleichzeitig sanieren. Karstadt könnte somit kurzfristig die Immobilien bis zu Sanierung lebendig halten. Außerdem könnte ein Rumpf-Karstadt langfristig die Sortimente bereit stellen, für die es keine geeigneten externen Anbieter gibt", meint Roeb. Aber auch bei der Variante würde der Konzern deutlich schrumpfen. Und mit ihm auch die Belegschaft von heute noch rund 17 000 Mitarbeitern. Die Angst bleibt bei Karstadt.

(RP)