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Neuer Mobilfunkriese in Deutschland: Die Folgen der Fusion von E-Plus und O2

Neuer Mobilfunkriese in Deutschland : Die Folgen der Fusion von E-Plus und O2

Die Mobilfunktarife werden nicht mehr so schnell sinken, viele Jobs sind bedroht, aber es gibt auch positive Aspekte: Der neue Branchenriese und auch die Wettbewerber können mehr investieren, der neue Chef wird Tempo machen.

Zumindest eine gute Nachricht gab es am Mittwoch für Mitarbeiter des Düsseldorfer Mobilfunkers E-Plus und - teilweise auch für die Kunden: Obwohl E-Plus ja von O2 aus München übernommen wird, wird E-Plus-Chef Thorsten Dirks Chef des neuen Gemeinschaftsunternehmens. Als sich dies abzeichnete, hatte der frühere O2-Chef Rene Schuster bereits im Januar den Schreibtisch geräumt - jetzt kann der 51-jährige frühere Bundeswehroffizier Dirks mit intelligentem Marketing das Unternehmen weiter vorantreiben. Damit ist zu erwarten, dass der neue Konzern weiter auch mit Innovationen von sich reden macht.

Trotzdem ist abzusehen, dass sich der Preiswettbewerb im deutschen Mobilfunk abmildert. E-Plus hatte sich unter dem Ingenieur Dirks als entscheidender Herausforderer der beiden Marktführer T-Mobile (Telekom) und Vodafone positioniert. Speziell das Bündnis mit Aldi sowie die Flatrate-Familie "Base" halfen, die Preise im deutschen Mobilfunk so niedrig zu treiben, wie in vielen Nachbarländern.

Ein Rückschlag für den Wettbewerb

 E-Plus-Chef Thorsten Dirks gilt als Gewinner der Fusion.
E-Plus-Chef Thorsten Dirks gilt als Gewinner der Fusion. Foto: andre zelck

Es nützt auch wenig, dass das neue Unternehmen nun rund 30 Prozent seiner Kapazitäten an unabhängige Telefonfirmen wie Drillisch abgeben soll. "Das ist eher ein Feigenblatt der EU-Kommission", sagt Thorsten Gerpott, Betriebswirtschaftsprofessor aus Duisburg, "wenn nur noch drei statt vier Netzbetreiber um die Kunden kämpfen, geht die Wettbewerbsintensität praktisch automatisch zurück." Noch klarer äußert sich Daniel Zimmer, der Vorsitzender der Monopolkommission: "Der Wettbewerb dürfte durch die Fusion geschwächt werden, da mit E-Plus das Unternehmen verschwindet, von dem bisher die stärksten Wettbewerbsimpulse ausgingen."

Die Mitarbeiter von E-Plus und von O2 müssen sich auf radikalen Personalabbau einstellen. Der Firmensitz des Konzerns werde in München sein, erklärte O2 gestern demonstrativ - in Düsseldorf werden wahrscheinlich überwiegend Marketingaufgaben überbleiben.

Insgesamt sollen in der Verwaltung der neuen Firma bis 2018 knapp 404,7 Millionen Euro an jährlichen Kosten eingespart werden. Dabei wolle man eine "schlankere und beweglichere Organisation", heißt es in einem Gutachten zur Fusion. Man wolle Synergien in den Bereichen "IT, Administration und Büromieten" heben. Anders formuliert: Viele der knapp zehntausend Arbeitsplätze - rund 4000 bei E-Plus, rund 6000 bei O2 - und einige Standorte werden wegfallen.

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Die Fusion hat einen großen Gewinner

Gleichzeitig kann das neue Gemeinschaftsunternehmen sowohl der Telekom als auch Vodafone technisch besser Paroli bieten.

Nachdem E-Plus bisher die Schwäche hatte, ein reiner Mobilfunker zu sein, gibt es in den Shopsder entscheidenden Marke Base sicher bald auch Festnetz. Und nachdem E-Plus als Tochterfirma der angeschlagenen KPN das Geld fehlte, um eine umfassende Lizenz für die neue Mobilfunktechnik LTE zu kaufen, hat das neue Gemeinschaftsunternehmen nun ebenso große LTE-Kapazitäten wie Telekom und Vodafone. Und weil die neue Firma die Kosten künftig auf 45 Millionen Verträge umlegen kann, kann mehr in den Ausbau des künftigen Gemeinschaftsnetzes investiert werden.

Großer Sieger der Fusion ist nicht ganz unerwartet E-Plus-Chef Dirks. Und eine der spannendsten Fragen der nächsten Monaten und Wochen wird sein, wie viele persönliche Vertraute er aus Düsseldorf mit in die neue Führung holt.

(RP)