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Drohen "japanische Verhältnisse"?: Die Fed spielt ihre letzte Karte

Drohen "japanische Verhältnisse"? : Die Fed spielt ihre letzte Karte

Washington (RPO). Die US-Notenbank Fed zieht im Kampf gegen die Rezession alle Register. Sie senkte den Leitzins am Dienstag auf eine Spanne von null bis 0,25 Prozent. Innerhalb der vergangenen 16 Monate verlor der Zins damit fünf Prozentpunkte. Die Fed will mit diesen drastischen Schritten den Kredithandel in Schwung bringen. Aber es drohen auch Gefahren. Stichwort: Liquiditätsfalle.

US-Notenbank-Chef Ben Bernanke will sich nicht nachsagen lassen, Erfolg versprechende Schritte gegen die Finanzkrise unterlassen zu haben. Der Schritt der Fed, die Zinsen faktisch auf null zu setzen, ist daher als historisch zu bewerten. Sein Kalkül: Können sich Amerikaner Geld zum Nulltarif leihen, kurbelt dies Nachfrage und Investionen an. Zudem werden viele Hausbesitzer, die ihre Hypotheken abbezahlen, aufatmen. Auch Banken leihen sich wieder mehr Geld, das gegenseitige Misstrauen schwindet. Langsam verbessert sich die Stimmung und damit auch die Wirtschaftslage. Wenn alles gut läuft.

Hohes Risiko

Denn Finanz-Experten warnen vor dem hohen Risiko dieser Zinssenkung. Die Fed spielte womöglich ihre letzte Trumpfkarte aus. Noch billiger kann Bernanke das Geld nicht machen. Zudem geht der Plan nur dann auf, wenn es in den USA bei einer leichten Inflation bleibt. Davon gehen zahlreiche Beobachter aber nicht mehr aus. Die Deutsche Bank rechnet beispielsweise mit einer negativen Inflation von rund 0,4 Prozent. Im Klartext: Die Preise fallen. Für den Verbraucher gut, für die Gesamtwirtschaft auf Dauer verheerend. In diesem Fall drohen die USA in der gleichen Abwärtsspirale zu landen wie Japan in den 90er Jahren.

In Japans "verlorener Dekade" litt das Land unter dem Zusammenspiel von sinkenden Preisen, sinkender Nachfrage und steigender Arbeitslosigkeit. Die niedrigen Zinsen führen dann letztlich dazu, dass sich Banken bei der Kreditvergabe noch mehr zurückhalten. Aufgrund der schwachen Rendite für die Geldhäuser und dem gestiegenen Risiko von Kreditausfällen sitzen die Banken auf ihrem Geld. Dies Geld kann nicht mehr für Investionen eingestezt werden. Die Regierung muss tatenlos zusehen — die Zinsen kann sie nicht mehr senken. Die Liquiditätsfalle schnappt zu.

Offensive Geldmengenpolitik

Aber hätte die Fed in diesem Fall wirklich alles Pulver verschossen? Einen letzten Pfeil hätte Bernanke noch im Köcher: Geld drucken und die Geldmenge erhöhen. Finanzpolitik mit der Druckmaschine, mehr Geld für alle. Beobachter trauen Bernanke diesen Schritt zu. Er gilt als Verfechter einer offensiven Geldmengenpolitik. In diesem Fall droht jedoch ein weiterer Wertverfall des Dollars. Einfuhren von Rohstoffen würden noch teurer.

Die Börsen reagieren verhalten erleichtert auf die Zinssenkung. An der New Yorker Wall Street waren die Kurse kräftig angezogen. Der Dow-Jones-Index stieg um 4,2 Prozent auf 8924 Punkte. Der technologiebasierte Nasdaq-Index kletterte um 5,4 Prozent 1590 Zähler. Wahrscheinlich handelte sich jedoch nur um eine kurzfristige Erholung. Auch in Deutschland reagierte der Dax verhalten positiv. Die Sorge vor japanischen Verhältnissen dürfte dies nur kurzzeitig dämpfen.

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(AP)