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Die Entlassung eines Piloten bei Air Berlin war nicht rechtsgültig. Geld gibt es trotzdem nicht.

Bundesarbeitsgericht : Pilotenkündigung bei Air Berlin unwirksam – Geld gibt es trotzdem nicht

Das Bundesarbeitsgericht erklärt die Kündigung eines Piloten bei Air Berlin als unwirksam. Er könnte nun darauf hoffen, ausstehenden Lohn zu erhalten. Tatsächlich gibt es aber nach jetzigem Stand keine freien Mittel mehr in der Insolvenzmasse.

Knapp zweieinhalb Jahre nach der Insolvenz von Air Berlin hat das Bundesarbeitsgericht die Kündigung von Piloten für unwirksam erklärt. Das Unternehmen habe damals einen Formfehler begangen, weil es bei der erforderlichen Anzeige von Massenentlassungen beim Cockpit-Personal nicht die zuständige Bundesagentur für Arbeit in Düsseldorf informierte sondern die in Berlin.

Die Klage eingereicht hatte ein Pilot mit Einsatzort Düsseldorf. Sieben gleich gelagerte Fälle wurden in Erfurt ebenfalls verhandelt. Insgesamt waren bei Air Berlin 1200 Piloten zum Zeitpunkt der Insolvenz in August 2017 beschäftigt gewesen.

Der Jurist Olaf Methner von der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf sagt, dass theoretisch alle Piloten von Air Berlin von dem Urteil profitieren könnten, die gegen ihre  Kündigung geklagt hatten. Sie könnten fordern, dass ihr Lohn nun bevorzugt aus der Insolvenzmasse ausgezahlt werde. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Lucas Flöther sagt allerdings, dass es voraussichtlich kein Geld geben werde, weil bereits festgestellt worden ist, dass die Insolvenzmasse nur ausreicht, um die Insolvenzverwaltung sowie andere Kosten nach Eintritt der Massenunzulänglichkeit zu bezahlen. Hinzu kommen voraussichtlich in Millionenhöhe die Zinsen auf das KfW-Darlehen. Alle anderen Forderungen verfallen wahrscheinlich wegen der Unzulänglichkeit der Masse.

Allerdings könnte sich die Lage ändern, falls eine Klage gegen den Air-Berlin-Haupteigentümer Etihad unerwartet zu Erfolg führt. Das wäre allerdings eher eine Überraschung.

Um auf Nummer sicher zu gehen, wird der Insolvenzverwalter den Piloten nun erneut kündigen. Theoretisch könnten sie auf Geld bis zum neuen Kündigungstermin hoffen. Tatsächlich würde aber ihr Einkommen aus anderen Tätigkeiten mit den Ansprüchen verrechnet, so der Sprecher von Flöther.