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Die Deutsche Post im Rekordrausch, Paketboom treibt Aktienkurs hoch - 7,6 Millionen Pakete am Tag

7,6 Millionen Pakete am Tag : Die Post im Rekordrausch

Obwohl die Zeit der Lockdowns zu Ende ist, lassen sich die Bürger immer mehr Waren nach Hause bringen. Die Post profitiert mit allen Sparten vom globalen E-Commerce-Boom. Das Briefporto will der Vorstand trotzdem erhöhen.

Die Deutsche Post DHL meldet ein weiterhin massiv steigendes Wachstum beim Versand von Paketen und von globalen Expressendungen. Als Ergebnis stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr insgesamt lag das Wachstum ebenso hoch, der Konzern kommt auf ein Geschäft von 38,3 Milliarden Euro in sechs Monaten.

       
       Foto: schnettler

Vorrangig der Boom bei E-Commerce und bei international versandten Expresssendungen treibt den Bonner Konzern voran. 7,6 Millionen Pakete werden im Heimatmarkt am Tag zugestellt, im ersten Halbjahr waren es 946 Millionen Stück, 26 Prozent mehr als noch im ersten Halbjahr 2020 während der beginnenden Corona-Krise. Im Jahr 2019 wurden im Heimatmarkt erst 667 Millionen Pakete und  Päckchen verteilt, das Plus in zwei Jahren liegt also bei 41 Prozent in zwei Jahren.

       
       Foto: schnettler

Die Bilanz glänzt entsprechend. Die Umsatzrendite sprang von 4,8  Prozent im ersten Halbjahr auf 10,4 Prozent. Das operative Ergebnis stieg von 1,5 Milliarden Euro auf 3,9 Milliarden Euro, alleine im zweiten Quartal kamen 2,1 Milliarden Euro operativer Gewinn rein. „Das ist das mit Abstand beste Quartal unserer Geschichte“, sagte Finanzvorstand Melanie Kreis. Man habe im ersten Halbjahr so viel verdient, wie früher in ganzen Jahren. Vorstandschef Frank Appel war erst recht zufrieden: „Nachdem die Weltwirtschaft im letzten Jahr einen beispiellosen Einbruch erlebt hat, leisten alle unsere Divisionen einen entscheidenden Beitrag, um die Erholung des Welthandels zu beschleunigen. Unsere gesamte Mannschaft hat eine großartige Leistung gezeigt und ein hervorragendes Ergebnis ermöglicht.“

Auch die rund 550.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (die Post schreibt „Mitarbeiter*innen) vom Boom profitieren. Sie erhalten wie bereits angekündigt im vierten Quartal einen weiteren Corona-Bonus in Höhe von dann 300 Euro pro Kopf, was insgesamt rund 200 Millionen Euro kosten wird.

Der Vorstand rechnet mit weiter hervorragend laufenden Geschäften. Anders als in den Vorjahren soll das Personal im Sommer nicht leicht abgebaut werden, weil ein so starkes Weihnachtsgeschäft wie nie erwartet wird. „Wir gehen von einer sehr starken Spitzensaison aus“, sagte Kreis. Vehement wehrte sich Vorstandsprimus Appel gegen den Vorschlag der Rossmann-Gruppe, dass es eine Sonderabgabe auf von Logistikfirmen zugesellte Produkte  geben könne, mit der der schwächelnde Einzelhandel in den Städten unterstützt werden soll. Das sei ein „interessanter Vorschlag“, sagte er und stellte dann klar: „Das sollte man nicht tun. Warum soll der Regulierer in das eingreifen, was die Kunden gerne möchte?“

Wie gut es dem gelben Riesen geht, zeigt der Aktienkurs: Der Kurs des Papieres ist in den vergangenen zehn Jahren um 402 Prozent gestiegen, während der deutsche Börsenindex Dax in diesem Zeitraum „nur“ ein Plus von rund knapp 150 Prozent schaffte. Dabei geht es aber erst seit rund einem Jahr ganz steil nach oben, weil die Corona-Krise den E-Commerce global auf die Überholspur brachte.

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Die Post ist mittlerweile 72 Milliarden Euro wert, das sind pro Mitarbeiter immerhin 130.000 Euro, früher war es deutlich weniger als 50.000 Euro pro Kopf. „Die Logistikbranche boomt“ sagt dazu der Essener Unternehmensberater Detlef Symanski, „und mit ihrem globalen Netzwerk mischt die Post mit zunehmend hohen Gewinnen vorne mit.“ Er lobt insbesondere die zunehmende Digitalisierung: „Appel und sein Team organisieren den Betrieb immer effizienter. Dafür nutzen die die digitale Vernetzung schon sehr professionell.“

Dabei legen praktisch alle Aktivitäten rund um den Globus zu. In Deutschland wuchs das eigentlich schwächelnde Briefegeschäft um knapp sieben Prozent, weil das Verteilen von Werbeprospekten wieder zulegt („Dialog-Marketing“).

Die in fast ganz Europa aktive Gruppe „DHL E-Commerce-Solutions“ erhöhte im zweiten Quartal den Umsatz um ein Viertel auf 1,4 Milliarden Euro. In mittlerweile 28 Ländern Europas wird ein Paketgeschäft aufgebaut, das auf den hiesigen Standards beruht.

Von der Erholung des Welthandels bei knappen Transportkapazitäten profitiert die Post besonders. Die Sparte DHL Express erhöhte den Umsatz im Quartal um 31 Prozent auf sechs Milliarden Euro. Sowohl Privatkunden als auch Firmen wollen Waren sehr schnell als Expresslieferung haben, die Sendungsverfolgung in Echtzeit soll die Kunden binden.

Die Sparte Materialmanagement („DHL Supply Chain) legte beim Umsatz um ein Fünftel zu, gerade Unternehmen aus dem Medizinsektor sowie Autokonzerne arbeiten immer enger mit den Bonnern zusammen.

Die Frachtsparte („DHL Global Forwarding“) legte beim Umsatz um 5,2 Milliarden Euro, um ein Drittel legte die Transportvolumen in der Luftfracht zu. Vorstandschef Appel sieht die Weltwirtschaft insgesamt im Aufschwung: „Wir sehen weltweit eine unglaublich schnelle Erholung der Nachfrage nach vielen Gütern. Das ist eine gute Nachricht.“

Zwei nicht ganz so gute Nachrichten hatte er für den Heimatmarkt :Die Post hält daran fest, möglicherweise das Briefporto von aktuell 80 Cent zu erhöhen. Derzeit prüfe die Bundesnetzagentur die von der Post eingereichten Zahlen. „Was dabei herauskommt, ist unklar“, so Appel.

Er sagte auch, es sei erst einmal nicht geplant, die am Dienstag in den USA bestellten kleinen Elektroflugzeuge in Deutschland einzusetzen. Die Flugzeuge mit einer Reichweite von 800 Kilometern sollten in den USA eingesetzt werden, um dort Fracht sehr schnell zum Empfänger zu bringen. In Deutschland, meint Appel, würden solche Lieferungen eher per LKW erledigt. Er hat schon oft gesagt, dass er die Infrastruktur Europas besser hält als die in vielen anderen Regionen der Welt.