Die Baustellen von Siemens-Chef Joe Kaeser

Technologiekonzern: Siemens’ zahlreiche Baustellen

Probleme mit einem milliardenschweren Irak-Deal, Wirbel um eine saudische Investorenkonferenz, Ärger bei der Alstom-Fusion und hohe Kosten für den Umbau von Power and Gas – viel zu tun für Joe Kaeser.

Für Joe Kaeser waren die vergangenen Wochen recht ereignisreich. Die EU-Kommission versah die geplante Fusion der Siemens-Zugsparte mit dem französischen Konkurrenten Alstom mit einem Fragezeichen, dann mischte sich die US-Regierung in ein schon sicher geglaubtes Geschäft im Irak ein und versuchte, dem Konkurrenten General Electric einen Vorteil beim Aufbau des irakischen Stromnetzes zu verschaffen. Als wäre das nicht genug, kam noch der Wirbel um den im saudischen Konsulat in Istanbul ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi hinzu. Wegen der Verstrickung des saudischen Königshauses wurde der Druck auf den Siemens-Chef immer größer, seine Teilnahme an einer Investorenkonferenz in Riad abzusagen. Nachdem sich Kaeser mehrere Tage geziert hatte, gab er am Ende auf und blieb der Veranstaltung fern – auch um den Preis von Wettbewerbsnachteilen.

Als der Manager gestern auf dem Podium Platz nahm, um Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr zu ziehen, da entwich im ein laut vernehmbarer Seufzer. Während der zweistündigen Präsentation der Geschäftszahlen machte Kaeser kein Hehl daraus, dass er seine Zeit lieber anderweitig verbracht hätte, als sich derart in den Medien und im diplomatischen Dickicht wiederzufinden.

Kaeser war gleichwohl sichtlich darum bemüht, Gelassenheit auszustrahlen. Ob er denn einen Plan B in der Tasche habe, wenn die EU-Kommission dem Zusammenschluss im Zugsegment nicht zustimme, wollte ein Journalist wissen. „Fallls es nicht gelingt, haben wir immer noch das beste Mobilitätsunternehmen der Welt“, sagte Kaeser. Durch Zusammenschlüsse in anderen Ländern werde sich der Wettbewerb verstärken. Kaeser spielte damit insbesondere auf China an, wo sich mit CRRC der weltgrößte Bahnhersteller gegründet hat. Spitz sagte Kaeser in Richtung der EU-Wettbewerbsbehörden, dass weder die chinesischen noch die amerikanischen Wettbewerbshüter etwas gegen den Zusammenschluss hätten. „Wir werden unsere Argumente vorbringen und gehen davon aus, dass wir die Kommission überzeugen können.“

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Mit Blick auf Saudi-Arabien sagte er, es sei falsch, nur der Empörung zu gehorchen oder andersherum nur der Profitgier zu folgen. Kaeser legte noch einmal dar, warum er sich so schwer mit einem Rückzug von der Investoren-Konferenz der Saudis getan habe: ein Auftrag von 20 Milliarden Euro stehe äquivalent für 10.000 Arbeitsplätze. Bis zum letzten Tag habe er deshalb erwogen hinzufahren. Allerdings habe die Presseerklärung zu dem Tod Khashoggis mit zahlreichen Ungereimtheiten dazu geführt, dass er sich gegen eine Teilnahme entschieden habe. „Wir haben aber betont, dass man miteinander reden muss und nicht übereinander“, sagte er zum weiteren Verhältnis mit den Saudis.

Kaeser unterstrich noch einmal, dass das Siemens-Konzept zum Leitungsausbau im Irak „sehr wettbewerbsfähig“ sei und den Kunden auch überzeugt hatte. „Aber ganz offensichtlich muss man sich jetzt auch mit Kräften befassen, die nicht typisch für die Industrie waren“, sagte er mit Blick auf die Einmischung der Trump-Administration und fügte etwas drohend hinzu: „Wir beschäftigen fast 60.000 Menschen in Amerika mit über 20 Milliarden Euro Umsatz.“

Kaesers größtes Sorgenkind bleibt aber die Kraftwerkssparte: Power und Gas lies den Gewinn im Industriegeschäft 2017/18 um sechs Prozent auf 8,8 Milliarden Euro schrumpfen.

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