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Unwetterschäden an den Strecken: Die Bahn ist nach "Ela" weiter aus dem Takt

Unwetterschäden an den Strecken : Die Bahn ist nach "Ela" weiter aus dem Takt

Die Bahn versucht, Ordnung ins Chaos zu bringen. "Noch jemand nach Duisburg? Wir haben noch einen Platz frei", sagt eine Mitarbeiterin. Sie steht am Taxistand vor dem Hauptbahnhof der Ruhrgebietsstadt Essen und organisiert die Fahrten. Züge fahren hier schon seit Montagabend keine mehr.

Ein Intercity und der RE2 "Rhein-Haard-Express" stehen immer noch menschenleer auf den Gleisen 1 und 2 und warten auf bessere Zeiten. Die Fahrgäste müssen auf Busse oder Taxen umsteigen.

Gewittertief "Ela" hat am Montagabend so viele Bäume auf die Schienen geworfen, dass am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen immer noch zwölf Strecken gesperrt waren, darunter auch die Hauptstrecke Duisburg-Essen-Bochum-Dortmund. Einige wichtige Verbindungen wurden mittlerweile zwar wieder freigegeben. Dennoch liegt noch viel im Argen. "Es wird Tag und Nacht gearbeitet", sagt Bahnsprecher Dirk Pohlmann.

Hunderte Mitarbeiter seien nur mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Auch andere Firmen würden helfen, Bäume zu entfernen. Um die Oberleitungen schneller reparieren zu können, seien zu den vorhandenen fünf Spezialfahrzeugen fünf weitere aus anderen Bundesländern geholt worden. Die sogenannten Turmtriebwagen haben Arbeitsbühnen, mit denen auch die Kabel-Aufhängungen repariert werden können.

Vorrangig werden die Hauptstrecken repariert. Doch die Bahn will sich nicht darauf festlegen, wann wieder alles rund läuft, um keine falschen Hoffnungen zu wecken. "Bei einigen Strecken wird es auf jeden Fall noch bis nächste Woche dauern." Prognosen seien aber unsicher. "Wir sagen es erst, wenn es definitiv feststeht."

Verbraucherschützer kritisieren die Informationspolitik. "Die Bahn legt leider ihre Prioritäten nicht offen", sagt Lothar Ebbers, Pressesprecher beim Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Nötig wären mehr Prognosen. Positiv hob er hervor, dass die Bahn am Unwetterabend rechtzeitig den Betrieb eingestellt habe. "Das ist die absolut richtige Entscheidung gewesen." Auch dadurch sei im Bahnverkehr niemand zu Schaden gekommen - etwa bei einem Zusammenstoß eines Zuges mit einem umgestürzten Baum bei hoher Geschwindigkeit.

Viele Bahnkunden bleiben am Essener Hauptbahnhof gelassen. Ein 27 Jahre alter Student mit Fahrtziel Mülheim an der Ruhr sagt: "Da kann man nix machen. Es ist halt blöd, aber es ist ja blöd für alle." Ein Bahnmitarbeiter an den Ersatzbussen schildert die Stimmung als "höflich und entspannt". Ein anderer Bahnmitarbeiter sagt: "Die Leute haben größtenteils Verständnis." Ein Mitarbeiter von der Bahnhofsmission Essen findet, dass die Fahrgäste "erstaunlich gelassen" sind: "Natürlich ist man etwas angespannt, und auch ein bisschen verärgert. Aber die meisten haben Verständnis."

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Nicht nur die Bahn kämpft mit den Folgen des Gewittersturms: Immer noch sind in vielen Städten die Feuerwehren im Dauereinsatz, um umgestürzte Bäume wegzuschaffen. In Düsseldorf hilft sogar die Bundeswehr - mit Panzern und Pionieren. 300 Soldaten sollen "mobile Kettensägetrupps" bilden und mindestens bis Sonntag in den Waldgebieten Straßen und Wege freiräumen.

Hier geht es zur Infostrecke: Gestrandete Kunden wüten auf Twitter gegen die Bahn

(dpa)