DGB: Nur 38 Prozent der Arbeitnehmer halten Arbeitszeiten ein

DGB-Index "Gute Arbeit" : Fast 60 Prozent der Deutschen leisten Überstunden

Zeitdruck und lange Arbeitszeiten – für viele Arbeitnehmer ist das inzwischen Alltag. Das zeigt auch der aktuelle DGB-Index "Gute Arbeit". Demnach sind für jeden Zweiten in Deutschland Überstunden bereits an der Tagesordnung. Vertraglich vereinbart ist das allerdings nicht bei jedem.

Zeitdruck und lange Arbeitszeiten — für viele Arbeitnehmer ist das inzwischen Alltag. Das zeigt auch der aktuelle DGB-Index "Gute Arbeit". Demnach sind für jeden Zweiten in Deutschland Überstunden bereits an der Tagesordnung. Vertraglich vereinbart ist das allerdings nicht bei jedem.

Grundsätzlich, so heißt es in der Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), identifizierten sich die meisten Arbeitnehmer in der Bundesrepublik mit ihrem Job. Doch dieses Engagement der Beschäftigten, so der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, müsse auch gewürdigt und erhalten werden. Denn dies sei auch ein Standortvorteil für Deutschland. Angesichts des zunehmenden Zeitdruckes und der längeren Arbeitszeiten fordert Hoffmann denn auch: "Wir brauchen eine Anti-Stress-Politik, inklusive einer Anti-Stress-Verordnung." Eine solche Verordnung war zuletzt auch in der Politik stark diskutiert worden.

Laut DGB-Index jedenfalls werden nur bei 38 Prozent der Arbeitnehmer auch die Arbeitszeiten eingehalten, die im Arbeitsvertrag stehen. Für 59 Prozent dagegen sind Überstunden an der Tagesordnung, insbesondere in den Bereichen Ver- und Entsorgung sowie Information und Kommunikation. Die Mehrheit der Befragten leistet dabei bis zu fünf Überstunden pro Woche (35 Prozent). Bei neun Prozent sind es sogar mehr als zehn Überstunden pro Woche.

Insgesamt arbeiten nach der Befragung 62 Prozent mehr als 40 Stunden pro Woche. Vertraglich vereinbart sei dies aber nur bei 42 Prozent der Arbeitnehmer. Schaut man sich zudem die Arbeitszeit von Frauen und Männern an, so liegt die tatsächliche Wochenarbeitszeit bei den männlichen Beschäftigten leicht höher.

Mehrzahl kann kurzfristig einen Tag frei nehmen

Der DGB-Index beschäftigt sich aber nicht nur mit den Arbeitszeiten, sondern auch mit der Qualität der Arbeit insgesamt. So wird darin festgestellt, dass sich 63 Prozent der Befragten kurzfristig mal einen Tag freinehmen können. Weniger flexibel scheinen die deutschen Unternehmen aber zu sein, wenn es darum geht, Arbeit kurzfristig von zu Hause erledigen zu können. Für gerade einmal 14 Prozent der Beschäftigten ist dies möglich. Allerdings ist das Arbeiten von Zuhause auch nicht in allen Branchen möglich.

Gleichzeitig wird ein Zusammenhang hergestellt mit solchen Möglichkeiten und dem gefühlten Stresslevel der Befragten. So fühlten sich diejenigen, die kurzfristig frei machen könnten, auch weniger gehetzt. Mehr gestresst fühlen sich dagegen diejenigen, die auch nach der Arbeitnoch erreichbar sein müssen, heißt es in der Studie.

Wer dagegen auch mal kurzfristig von Zuhause arbeiten kann, kann zwar einerseits selbst mitbeeinflussen, wie viel er arbeitet und wie die Arbeit geplant ist, auf der anderen Seite würden diese Arbeitnehmer aber auch deutlich mehr unbezahlte Arbeit leisten und seien öfter gehetzt. Insgesamt sagten übrigens 56 Prozent der Befragten, dass sie häufig unter Zeitdruck arbeiten.

Ältere wünschen Arbeitszeitreduzierung

Ein weiteres Kapitel der Studie bschäftigt sich mit einem Thema, das auch die Politik umtreibt: mit der Ausweitung des Rentenalters und der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wird auch immer wieder diskutiert, dass gerade die Arbeitsbedingungen besser an die Bedürfnisse der älteren Arbeitnehmer angepasst werden müssten. Und so heißt es auch in der Studie, dass sich 49 Prozent aller Arbeitnehmer über 50 Jahre und 60 Prozent im verarbeitenden Gewerbe sich eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit wünschen.

Auch sagen gerade einmal 46 Prozent, dass sie glauben, ihren Job, so wie sie ihn derzeit ausüben, bis zum Rentenalter durchhalten zu könnten. Das ist ein Prozent mehr als im vergangenen Jahr. 43 Prozent der Befragten glauben dagegen nicht, dass sie das schaffen.

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft IG BCE sagt denn auch: "Wir wollen, dass die Leute gesund in die Rente kommen." Er fordert Modelle zum gleitenden Übergang in den Ruhestand und eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit. "Konkret geht es um die Vier- oder Drei-Tage-Woche für ältere Arbeitnehmer", so der Gewerkschaftschef.

(das)
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