Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern Vodafone wird nun auch zum Kabelgiganten.

Grünes Licht für Vodafone bei Unitymedia : Vodafone darf Unitymedia kaufen

In NRW sind nun Kampfpreise für schnelle Online-Zugänge zu erwarten. In Köln bei Unitymedia steht der Abbau von Stellen bevor.

Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland, kann seinen bisher größten Erfolg feiern: Der Düsseldorfer Konzern darf zum 1. August den Kölner Kabelnetzbetreiber Unitymedia kaufen. Das gab die EU-Kommission am Donnerstag bekannt. Dadurch kann Vodafone künftig 25 Millionen Haushalten in ganz Deutschland superschnelle Online-Anschlüsse anbieten und die Telekom gerade in den Großstädten deutlich aggressiver angreifen. Bisher bot Vodafone in NRW, Hessen und Baden-Württemberg keine Kabelanschlüsse an, weil der frühere Zukauf Kabel-Deutschland (KD) dort im Gegensatz zu Unitymedia nicht vertreten war. Ametsreiter: „Jetzt kommt unser Gigabit-Netz nach ganz Deutschland – in alle 16 Bundesländer.“

Um die Zusage der EU-Kommission zu erhalten, musste Vodafone dem Wettbewerber Telefonica (O2) Zugang auf das nun bundesweite Kabel-Netz geben. Der Duisburger Wirtschaftsprofessor Torsten Gerpott geht trotzdem von einer sehr starken Marktposition von Vodafone in den entsprechenden Gebieten aus: „Anschlüsse mit einem Tempo von einem Gigabit wird nur Vodafone vermarkten, wogegen Telefonica nur ein Tempo von 300 Megabit anbieten darf. Eine wirkliche Öffnung des Netzes hätten wir nur, wenn viele Wettbewerber einen offenen Zugang hätten.“

Die Kunden in NRW können mit Kampfpreisen rechnen. Das zeigen bisherige Offerten von Vodafone im Verbreitungsgebiet der früheren KD. Damit Kunden von DSL auf Kabel wechseln, können sie Verträge mit einem Tempo von 500 Megabit für nur 19,99 im Monat im ersten Jahr buchen. Vodafone spart bei diesen Haushalten die Durchleitungsgebühr durch die Telekom-Leitungen in Höhe von knapp zehn Euro im Monat. Ametsreiter selbst sagt, er werde „attraktive Tarifangebote“ schnüren, Gigabit-Anschlüsse sollten „massentauglich und bezahlbar“ werden. Gerpott sagt: „Die werden sehr aktiv für die Kabel-Anschlüsse werben.“

Keine gute Nachricht ist der Vodafone-Zukauf für den weiteren Ausbau von Glasfaseranschlüssen in Deutschland. Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko ) befürchtet eine Verlangsamung, weil Vodafone nun das ebenfalls schon sehr leistungsfähige Kabelnetz aggressiv vermarktet. Ametsreiter kontert mit der Aussage, Vodafone wolle abseits der Kabel-TV-Gebiete selber viele Glasfaseranschlüsse bauen.

Außerdem ist damit zu rechnen, dass bei Unitymedia in Köln viele der insgesamt 2700 Stellen wegfallen. Vodafone selbst erklärt, man wolle den 18,4 Milliarden Euro teuren Kauf von Unitymedia und einiger anderer Kabel-TV-Firmen in Osteuropa auch refinanzieren, indem Synergien in Höhe von 425 Millionen Euro gehoben werden. Gerpott sagt, was dies bedeutet: „In den zentralen Abteilungen gibt es viele Aufgaben, die bei Vodafone in Köln und bei Unitymedia in Köln erledigt werden. Also wird man da den Rotstift ansetzen.“

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