Geplatzter EADS-Auftrag: Deutschland warnt USA vor Protektionismus

Geplatzter EADS-Auftrag: Deutschland warnt USA vor Protektionismus

Berlin (RPO). Das US-Verteidigungsministerium hat mit seiner neuen Ausschreibung eines Auftrags für Tankflugzeuge Verärgerung in Europa ausgelöst. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte die USA am Dienstag vor Protektionismus. EADS und sein US-Partner Northrop Grummann hatten am Montag erklärt, dass sie sich aus dem Rennen um den Milliardenauftrag für die US-Luftwaffe zurückziehen.

Brüderle zeigte sich enttäuscht über die Vorgehensweise des US-Verteidigungsministeriums bei der erneuten Ausschreibung des Auftrags. Nach der ursprünglichen Auswahl des Airbus A 330 MRTT durch die US-Luftwaffe werde mit der jetzigen Vorgehensweise der US-Konzern Boeing deutlich bevorzugt, sagte Brüderle.

"Wettbewerb nicht einseitig einschränken"

"Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden", sagte Brüderle. Er fügte hinzu: "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus."

Die Ende Februar vorgelegten Ausschreibungsbedingungen für den 35 Milliarden Dollar schweren Auftrag würden den Wettbewerber Boeing klar bevorzugen, hatten Northrop Grumman und EADS North America am Montagabend mitgeteilt. Nach dem Rückzug ist Boeing der einzig Bieter.

Airbus-Chef Thomas Enders warf der US-Regierung in der Onlineausgabe der "Financial Times Deutschland" "Voreingenommenheit" sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen bei der Neuausschreibung des Milliardenauftrags für US-Betankungsflugzeuge vor. Dies seien die Hauptgründe für den Rückzug.

  • Fotos : Das EADS-Tankflugzeug im Einsatz

"Maßgeschneidert auf Flieger der Konkurrenz"

Der Airbus-Chef verwies darauf, dass der Rückzug eine Entscheidung des US-Partners Northrop Grumman als Anführer des Konsortiums sei. Anders als die erste Ausschreibung sei die jetzige Ausschreibung "maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz. Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb", sagte Enders. Die eigentlichen Verlierer seien aber die US-Luftwaffe und die US-Steuerzahler. Die Luftwaffe sei nun gezwungen, "die zweitbeste Lösung zu akzeptieren und der US-Steuerzahler wird am Ende mehr zahlen für die kleineren und weniger leistungsstarken Modelle".

2008 hatten die USA zunächst der EADS-Tochter Airbus zusammen mit Northrop Grumman den Zuschlag für den Bau der Tankflugzeuge erteilt, was in den USA zu heftigen politischen Protesten und der Forderung nach einer Berücksichtigung des US-Anbieters Boeing geführt hatte. Schließlich wurde eine Neuausschreibung beschlossen.

Verlust in Höhe von 763 Millionen Euro

Am Dienstagmorgen hatte EADS seine Geschäftszahlen für 2009 veröffentlicht. Danach schrieb der Konzern aufgrund der Rückstellungen für den Militärtransporter A400M sowie den Langstreckenflieger A380 seiner Tochter Airbus einen Verlust von 763 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte EADS noch 1,572 Milliarden Euro verdient. Aufgrund des hohen Verlustes werde EADS auf eine Dividende verzichten, teilte der Konzern mit. Der Kurs der im MDAX notierten EADS-Aktie gab am Dienstag deutlich nach. Bis 11.00 Uhr fiel die Aktie um 5,0 Prozent auf 15,06 Euro.

(DDP/tim)