Bundeswirtschaftsministerium Deutscher Staat steigt bei EADS ein

Berlin (RPO). Der deutsche Staat steigt beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ein. Die Bundesrepublik will im kommenden Jahr die Hälfte der bislang vom Autokonzern Daimler gehaltenen EADS-Anteile übernehmen, wie aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums verlautete. Die Suche nach einem neuen privaten Investor aus Deutschland ist damit zunächst gescheitert.

Daimler hält bislang 15 Prozent der Aktien und 22,5 Prozent der Stimmrechte an dem Airbus-Mutterkonzern. Der Konzern strebt seit längerem einen Verkauf von Anteilen an. Die Bundesregierung hatte sich dabei immer wieder für einen Verkauf an einen privaten Investor ausgesprochen. Zugleich sollte aber das Gleichgewicht mit Frankreich innerhalb von EADS bestehen bleiben. Auf französischer Seite hält die Gesellschaft Sogeade 22,5 Prozent der Anteile an EADS, hinter der der Lagardère-Konzern und der französische Staat stehen.

Abgewickelt wird der Kauf der EADS-Anteile in Höhe von 7,5 Prozent über die die staatliche Förderbank KfW, Besitzer ist damit dann der deutsche Staat. Daimler versprach den Angaben aus dem Ministerium zufolge, seine restlichen 7,5 Prozent an EADS über das Jahr 2013 hinaus zu halten. Auch soll der Konzern die wirtschaftliche Führung von deutscher Seite aus behalten.

Offiziell vereinbart werden soll der Kauf voraussichtlich um die Jahresmitte 2012, denn zunächst müssen noch die Niederlande ihr Übernahmerecht ändern. EADS hat in Amsterdam seinen Sitz. Nach dem bisher dort gültigen Recht müsste Deutschland allen Aktionären ein Übernahmeangebot machen, wenn es 7,5 Prozent übernimmt. Die Bundesregierung einigte sich jetzt aber mit der niederländischen Regierung, dass diese Regelung bis zum 30. Juni 2012 geändert wird.

Noch nicht verhandelt wurde den Kreisen zufolge über den Kaufpreis. Der Marktwert entspreche etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro. Ein "Abschlag" sei beim Kauf ganzer Aktienpakete aber üblich. Zudem müsse die Marktentwicklung in den kommendenden Monaten beobachtet werden.

Die Suche nach einem privaten Investor sei vor allem an der aktuellen wirtschaftlichen Lage und der entsprechenden Lage auf den Kapitalmärkten gescheitert, hieß es aus dem Ministerium. Die nun gefundene Lösung solle daher "nicht dauerhaft" sein: "Wir suchen weiter nach einer privatwirtschaftlichen Lösung", hieß es.

Zwischenzeitlich war darüber spekuliert worden, dass das Emirat Katar einen Teil der EADS-Anteile von Daimler übernehmen könnte. Im Ministerium hieß es nun aber, es habe "nie konkrete Verhandlungen mit Katar gegeben".

(AFP)
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