Deutscher Export läuft unter Volldampf - erneut Rekordjahr - Handelsbilanz-Überschuss sinkt leicht

Handelsbilanz-Überschuss sinkt leicht: Deutscher Export läuft unter Volldampf - erneut Rekordjahr

Deutschlands Exporteure sind auf Rekordkurs. Daran können offenbar auch US-Präsident Donald Trump und der erstarkte Euro nichts ändern.

Die deutschen Unternehmen führten Waren im Rekordwert von 1279,4 Milliarden Euro aus, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilte. Das entsprach einem Plus von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es war das vierte Rekordjahr in Folge. Stärker hatten die Ausfuhren zuletzt 2011 zugelegt (11,5 Prozent). Die Importe kletterten im vergangenen Jahr um 8,3 Prozent auf einen Wert von 1034,6 Milliarden Euro.

Der insbesondere von den USA kritisierte Handelsbilanz-Überschuss der Bundesrepublik verringerte sich auf 244,9 Milliarden Euro. Im Jahr 2016 hatte er mit 248,9 Milliarden Euro einen Höchstwert erreicht.

Waren "Made in Germany" sind weltweit gefragt. Auch der stärkere Euro hat die Rekordjagd der deutschen Exportunternehmen bislang nicht gebremst. Der Außenhandelsverband BGA erwartet nach Zuwächsen 2017 in diesem Jahr den fünften Exportrekord in Folge.

Die Unternehmen in Europas größter Volkswirtschaft profitieren vor allem von der Erholung der Weltwirtschaft, die die Nachfrage nach Maschinen, Autos und anderen Produkten aus deutscher Herstellung anheizt. Ganz ungetrübt ist das Bild allerdings nicht.

Die Rahmenbedingungen scheinen gut wie schon lange nicht mehr. Die Weltwirtschaft hat an Tempo gewonnen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in diesem Jahr und im kommenden Jahr mit einem globalen Wachstum von jeweils 3,9 Prozent.

Die Wirtschaft der Eurozone hat die Krisenjahre hinter sich gelassen und wächst wieder robust. Im vergangenen Jahr stieg die Wirtschaftsleistung im gemeinsamen Währungsraum und in der Europäischen Union nach vorläufigen Zahlen um jeweils 2,5 Prozent. Die EU ist der wichtigste Absatzmarkt für Waren "Made in Germany".

Entsprechend zuversichtlich sind die Unternehmen. Nach der jüngsten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) haben sich die Exporterwartungen deutlich verbessert, "vor allem dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung in Europa".

Selbst der stärkere Euro hat bislang keine Bremsspuren hinterlassen. Gewinnt die Gemeinschaftswährung gegenüber Dollar und Co. an Wert, verteuert das tendenziell Waren auf Märkten außerhalb des Euro-Raumes. Das kann die Nachfrage dämpfen.

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Der Chef des Kreditversicherers Euler Hermes, Ron van het Hof, sieht die Stärken der deutschen Exportindustrie in ihrer Vielfalt und der hohen Wettbewerbsfähigkeit. "Immer dann, wenn es um High-End-Produkte geht, sind deutsche Produkte gefragt. Das gilt nach wie vor für deutsches Maschinenbau-Know-how, Chemie-Erzeugnisse und Automobile." Eine zentrale Rolle spielten kleine und mittlere Unternehmen, "von denen viele in ihrem jeweiligen Bereich tatsächlich Weltmarktführer sind, so genannte Hidden Champions".

Doch es gibt auch Gegenwind: "Immer mehr Länder suchen die Lösung für globale Herausforderungen in nationalen Rezepten und einem "Mein Land zuerst". Für eine internationale Volkswirtschaft wie die unsere, die auf Exporte wie Importe angewiesen ist, ist das brandgefährlich", warnte BGA-Präsident Holger Bingmann jüngst.

Vor allem US-Präsident Donald Trump macht seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr Front gegen den Freihandel. "Die US-Politik macht Schule. Die Idee, die heimische Industrie gegen ausländische Konkurrenz abzuschirmen, greift um sich", meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

"Unsere Unternehmen sind beunruhigt, dass die USA deutlich stärker als bisher Gebrauch von ungerechtfertigten Antidumping-Maßnahmen machen", beschrieb Dieter Kempf, Präsident des Industrieverbands BDI, jüngst die Sorgen der deutschen Industrie.

Zuletzt verhängte Washington hohe Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarmodule. Dies wurde als direkter Angriff auf die großen Produzenten-Länder China und Südkorea gewertet und schürte Sorgen vor einem Handelskonflikt. Die USA prüfen ferner Strafzölle auf Stahleinfuhren. Dies könnte auch deutsche Unternehmen empfindlich treffen.

Ein Dorn im Auge sind Trump die hohen Überschüsse anderer Länder, darunter Deutschland, im Handel mit den USA. Im ersten Amtsjahr des Republikaners importierten die Vereinigten Staaten insgesamt allerdings erneut deutlich mehr Waren, als sie ausführten. Das Handelsdefizit stieg 2017 um 12 Prozent auf 566 Milliarden Dollar - der höchste Wert seit der globalen Finanzkrise 2008.

Auch bei anderen Handelspartnern sorgt Deutschlands Exportstärke immer wieder für Kritik. Zuletzt wurde die Lücke etwas kleiner, weil die Importe stärker als die Ausfuhren wuchsen. "Der dadurch sinkende Außenhandelsüberschuss sollte auch den Kritikern Deutschlands etwas den Wind aus den Segeln nehmen", argumentiert BGA-Chef Bingmann.

(csr)
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