BDI: Deutsche Wirtschaft dringt auf Annäherung zur Türkei

BDI: Deutsche Wirtschaft dringt auf Annäherung zur Türkei

Düsseldorf (RPO). Ummittelbar vor dem Türkei-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt die deutsche Wirtschaft auf eine weitere Annäherung der Europäischen Union an das Land.

"Die deutsche Wirtschaft mahnt eine emotionsfreie Diskussion um die Beitrittsverhandlungen der Türkei an. Unsere Wirtschaftsbeziehungen mit der Türkei entwickeln sich seit Jahren überdurchschnittlich gut. Das Land bleibt absehbar ein Wachstumsmarkt in strategisch bedeutender Lage", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, dem "Handelsblatt".

"Als Zielmarkt deutscher Exporte ist die Türkei mit 15 Milliarden Euro im Jahr 2008 wichtiger als Japan", sagte Schnappauf. Merkel solle sich auf ihrer am (morgigen) Montag beginnenden Reise für die Verlängerung des zum Jahresende von Deutschland gekündigten Doppelbesteuerungsabkommens einsetzen, forderte Schnappauf. Ansonsten drohe die Effizienz der deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen Schaden zu nehmen.

"Negativ betroffen wären mehr als 3.000 überwiegend mittelständische deutsche Unternehmen. Sie erleben in der Türkei einen immer stärker werdenden Wettbewerb mit Unternehmen aus Russland, Iran und China", sagte Schnappauf.

RWE-Chef verweist auf Nabucco-Pipeline

Auch RWE-Chef Jürgen Großmann dringt auf eine engere Zusammenarbeit mit der Türkei: "Europa ist gut beraten, mit der Türkei politisch und wirtschaftlich enger zusammenzuarbeiten." Besonders wichtig sei die Nabucco-Pipeline, die Gas aus der kaspischen Region nach Westeuropa bringen werde. Für westliche Unternehmen biete die Türkei gute Perspektiven vor allem bei Investitionen in die Infrastruktur.

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach sich für ergebnisoffene Verhandlungen wegen eines EU-Beitritts der Türkei aus. Die Entscheidung hänge aber nicht nur davon ab, "ob die Türkei alle Voraussetzungen erfüllt, sondern auch davon, ob die EU in der Lage ist, dieses große Land ohne Gefährdung ihrer politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Balance aufzunehmen", sagte Hundt. Hier gebe es allenfalls "mittelfristig" eine Perspektive.

(AP/sdr)