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Deutsche Post: Preise für Pakete sollen jährlich erhöht werden

Investitionen in Digitalisierung : Post will jährlich die Paketpreise erhöhen

Der Bonner Konzern will künftig mehr in die Digitalisierung investieren – und seine Kunden stärker zur Kasse bitten. Die Anleger reagierten dennoch enttäuscht.

Was waren das für Zeiten: 2014 präsentierte die Deutsche Post DHL zuletzt eine Mehr-Jahresstrategie. Jeder Vorstand durfte vor Journalisten tolle Pläne bis 2020 für sein Ressort präsentieren, am ehrgeizigsten gab sich Jürgen Gerdes, damals Chef des Briefe- und Paketegeschäftes in Deutschland. Er werde in ganz Europa neue Paketableger aufbauen, tönte er. Vorstandschef Frank Appel stimmte ein: „Wir werden einen neuen Schritt gehen“, sagte er. Und auch die Börse war begeistert: Um fast fünf Prozent sprang der Kurs innerhalb weniger Stunden hoch. Nun gibt sich der Gelbe Riese vorsichtiger. Das Ziel bis 2025 sei, „Exzellenz in der digitalen Welt“ zu liefern, lautet das neue Motto. Nur Appel und Finanzvorstand Melanie Kreis erklärten den Kurs, Gerdes hatte 2018 gehen müssen.

Auch sei nun ein Ausblick für fünf Jahre schwer möglich wegen der volatilen Weltwirtschaft. Also gibt es nur noch eine Prognose für drei Jahre: 2022 soll der Gewinn bei 5,3 Milliarden Euro liegen, nur 300 Millionen Euro mehr als der Vorstand für 2020 schon angekündigt hatte. Kein Wunder, dass die Aktie um fast drei Prozent abrutschte.

Stabilität werden wichtiger als große Träume. Die Investitionen in den nächsten drei Jahren liegen zwar bei 8,5 bis 9,5 Milliarden Euro, doch deutlich höher als in den letzten Jahren sind sie nicht. Zugleich sollen die Kunden stärker zur Kasse gebeten werden, um die steigenden (Personal-)Ausgaben ausgleichen zu können: Künftig sollen jedes Jahr die Preise im deutschen Paketegeschäft erhöht werden, heißt es auf einem Chart. Auch beim globalen Express-Geschäft heißt es „Ertragsmanagement einschließlich jährlicher Preiserhöhungen“.

Zugleich startet der Konzern eine Digitaloffensive: Bis 2022 würden mindestens zwei Milliarden Euro in neue Digitalprojekte gesteckt, so Appel. Die Digitalisierung soll bis 2025 mehr als 1,5 Milliarden Euro an zusätzlichem Ergebnis pro Jahr bringen.

Eines von Appels Lieblingsvorhaben ist, dass Kunden in Deutschland künftig rund 30 Minuten vor Ankunft eines Paketwagens erfahren sollen, dass ihre Lieferung bereitsteht. „Es ist nicht so wichtig, ob das Paket direkt am Tag nach der Bestellung kommt“, sagt Appel, „aber höhere Berechenbarkeit hilft“. Zudem würde die Zahl der Packstationen an Bahnhöfen und anderen Orten deutlich erhöht. Roboter sollen in Lager- und Verteilzentren häufiger zum Einsatz kommen. Drohnen sollen Lagerhäuser bewachen. In Hochhäusern wird die Reihenfolge der Briefkästen aller Bewohner gescannt, um dem Briefträger die Post vorsortiert geben zu können. „Wir können die Produktivität dank Digitalisierung deutlich weiter erhöhen, die Belegschaft ist über diese Unterstützung froh“, meint Appel.

Er rechnet damit, dass die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland und weltweit wächst. Dafür werde die hohe Nachfrage im Onlinehandel sorgen. Er beobachte zwar, dass Amazon das eigene Verteilnetz ausbaue, aber er sei sicher, dass der US-Konzern auch 2025 noch viele Pakete von der Post ausliefern lasse. Der Hamburger deutet an, möglicherweise länger den Konzern führen zu wollen als bis Herbst 2022. „Darüber werden wir reden, wenn der Aufsichtsrat darüber zu finden hat. Meine Lebensplanung ist noch nicht abgeschlossen.“

Sicher ist, dass die Aachener Firma Streetscooter in wenigen Jahren nicht mehr zur Post gehören wird. Die Post werde den gleichnamigen Elektrolieferwagen zwar weiter kaufen, um umweltfreundliche Fahrzeuge für Fahrten in den Städten zu haben, sagte Melanie Kreis. Aber der Konzern suche einen Partner, damit es genügend Kapital für eine weitere Expansion gibt. Im Klartext: Es ist damit zu rechnen, dass ein anderes Unternehmen Streetscooter übernimmt.