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Höhere Preise gefordert: Deutsche Milchbauern wollen streiken

Höhere Preise gefordert : Deutsche Milchbauern wollen streiken

Freising (RPO). Bald könnte die Milch in Deutschland knapp werden. Um gegen zu niedrige Preise zu protestieren, hat der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) zu einem unbefristeten Lieferstopp aufgerufen. Während bereits am Montag Tausende Landwirte demonstrierten, bleibt die Milchindustrie gelassen. Sie sieht keinen Grund für Hamsterkäufe.

Im deutschen Einzelhandel könnte demnächst die Milch knapper werden. Der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) hat seine Mitglieder am Montag zu einem unbefristeten Lieferstopp aufgerufen und vor Versorgungsengpässen gewarnt. Der Verband der Milchindustrie gab sich aber gelassen: "Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe", sagte Geschäftsführer Eckhard Heuser. Er gehe nicht von einem flächendeckenden Boykott aus.

Der BDM fordert von den Molkereien, die Preise um rund ein Drittel auf 43 Cent pro Liter zu erhöhen. Dem Verband gehören nach eigenen Angaben 32.000 Milchbauern an, die täglich rund 35.000 Tonnen Milch oder 45 Prozent der deutschen Milchproduktion erzeugen. Der Lieferstopp soll so lange fortgesetzt werden, bis der Milchindustrie- und der Genossenschaftsverband einlenkten.

Der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber sagte unter dem Jubel von 7.000 Teilnehmern einer Demonstration vor der Molkerei Weihenstephan in Freising: "Ich lasse ab morgen meine Milch zu Hause! Und ich gehe davon aus, dass es viele Milcherzeuger genauso machen werden."

BDM-Gründungsmitglied Hans Foldenauer sagte, bei einer Umfrage hätten sich 88 Prozent der Mitglieder für einen Lieferstopp ausgesprochen. Seither habe sich die Lage der Milchbauern noch weiter zugespitzt. In Schleswig-Holstein seien die Preise zum Teil schon unter 30 Cent pro Liter gefallen. Das liege weit unter den Produktionskosten.

Die österreichischen Milcherzeuger würden sich dem Lieferstopp wahrscheinlich anschließen. Auch aus Holland und anderen europäischen Nachbarländern komme Unterstützung, erklärte der BDM.

Demonstration am Müller-Konzern

Rund 1000 Landwirte demonstrierten unterdessen am Montag am Standort des Müller-Konzerns im sächsischen Leppersdorf für höhere Milchpreise. Die Demonstration richte sich "gegen die ruinöse Preispolitik der Molkereien und des Lebensmitteleinzelhandels", erklärte der Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes, Wolfgang Vogel.

Er warf ihnen vor, das Milchgeld der Bauern zu "verzocken" und ein "Preisdumping in Reinkultur" zu betreiben. Die Milchpreise liegen nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zwischen 26 und 33 Cent je Kilogramm. Um rentabel zu arbeiten, wären laut DBV mehr als 40 Cent notwendig.

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Der Preis für Milch in deutschen Supermärkten wird durch die Discounter bestimmt. Unternehmen wie Aldi, Lidl oder Plus verkaufen rund 60 Prozent der gesamten Milchproduktion. Die anderen Supermarktketten folgen und versuchen ähnliche Konditionen zu erzielen, um im Wettbewerb um den Kunden nicht zu unterliegen. Der größte Teil des Milchpreises, den Verbraucher zahlen, entfällt auf die Einkaufskosten der Molkereien bei den Milchbauern.

Verbraucher sollen mehr zahlen

Für den Verband der Milchindustrie sagte Geschäftsführer Heuser, Lieferengpässe seien nicht zu befürchten. Bisher hätten nur vereinzelt Bauern gemeldet, dass sie streiken würden. Allerdings habe man mit einem Milchstreik noch keine Erfahrung.

Heuser äußerte Verständnis für den Zorn der Bauern über die Entwicklung der Milchpreise. Aber Boykott sei nicht das richtige Mittel. Wichtiger sei, beim Verbraucher Verständnis für höhere Milchpreise zu wecken. Als im vergangenen Jahr die Preise angezogen hätten, sei der Verbrauch zurückgegangen. Dies sei Teil des heutigen Problems, denn die Ware staue sich in die Molkereien zurück.

Der Deutsche Bauernverband zeigte sich gegenüber dem angekündigten Milchstreik skeptisch. Er sei nicht das richtige Mittel, sagte Pressereferentin Agnes Scharl.

(ap)