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Deutsche Industrie hofft: Pläne für Weltraum-Bahnhof in der Nordsee

Vorstoß vom Industrieverband : Pläne für Weltraumbahnhof in der Nordsee

Von einer Startplattform aus könnten bald kleinere Raketen und Satelliten ins All transportiert werden. Der Bund soll sich dem Plan zufolge mit 30 Millionen Euro an den Kosten des Projektes beteiligen.

Das Bundeswirtschaftsministerium prüft die Idee, einen Weltraumbahnhof in Deutschland zu errichten. Das berichtet das „Handelsblatt“. Demnach hat der Bunderverband der Deutschen Industrie (BDI) dem Ministerium am Freitag mit mehreren Chefs von Raumfahrtunternehmen eine Machbarkeitsstudie vorgestellt.

Der BDI wirbt bereits länger offensiv für einen Weltraumbahnhof auf deutschem Boden. Konkret schlägt der Verband eine Plattform in der Nordsee vor, von der kleinere Raketen mit einer Nutzlast von bis zu einer Tonne ins All geschossen werden können. „Eine mobile Startplattform in der Nordsee ist technisch machbar und strategisch wie wirtschaftlich sinnvoll“, sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Um das Projekt risikoarm und kostengünstig umzusetzen, ließe sich auf bereits vorhandene Infrastrukturen, Technologien und Lösungen zurückgreifen.

Das Konzept vom BDI sieht weiterhin vor, dass ein deutscher Startplatz in der Nordsee allen europäischen und internationalen Partnern zur Verfügung stehen sollte. Von dort könnten dann kommerzielle und militärische Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht werden.

Davon könnten einerseits Staaten und andererseits Unternehmen profitieren, die für ihre Dienstleistungen auf Satelliten angewiesen sind. Das sind zum Beispiel Kommunikationsfirmen. Auch für kleinere deutsche Betriebe, die sich auf den Bau von Raketen spezialisieren, wäre ein Weltraumbahnhof ein Vorteil – besonders weil sie über keinen vertraglichen Startplatz in Europa verfügen, obwohl sie im nächsten oder übernächsten Jahr auf den Markt kommen wollen.

„Das New-Space-Ökosystem und Start-ups der Branche werden von einer deutschen Startplattform enorm profitieren“, sagt Lang. Im Süden Deutschlands haben sich mehrere junge Unternehmen gegründet, die sich schwerpunktmäßig auf den Bau neuer Trägerraketen fokussieren, mit denen kleine und mittlere Lasten wie Satelliten ins All geflogen werden können. Dazu gehören zum Beispiel Isar Aerospace aus München, HyImpulse aus Schwaben sowie die Rocket Factory Augsburg.

Im „Handelsblatt“-Bericht heißt es weiter, dass sich der Bund mit 30 Millionen für die ersten sechs Jahre an dem privatwirtschaftlich geführten Projekt beteiligen soll und die Kosten demnach überschaubar wären. Der BDI bekräftigt, dass sich die Bundesregierung nicht am Kauf, Umbau oder Betrieb der Startplattform beteiligen muss. „Stattdessen wäre ein Zuschuss des Bundes für die Initialkosten in der Anfangsphase notwendig“, teilt Lang mit.