1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Rekordverlust 2008: Deutsche Bank räumt Schwächen ein

Rekordverlust 2008 : Deutsche Bank räumt Schwächen ein

Frankfurt/Main (RPO). Die Deutsche Bank hat im Geschäftsjahr 2008 ein Minus von fast vier Milliarden Euro gemacht. Josef Ackermann räumte öffentlich Schwächen im Geschäftsmodell ein. Der Kurs der Bank-Aktie rauschte daraufhin nach unten, fing sich aber wieder. Dennoch muss Ackermann sich mit einer Reihe von unangenehmen Fragen auseinandersetzen.

Heute stellte sich der Konzernchef der Presse. Zuvor bestätigte die Bank den erwarteten Rekordverlust: im Geschäftsjahr 2008 einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro vor Steuern. unterm Strich also ein Minus von 3,9 Milliarden Euro für das größte deutsche Finanzinstitut. Die Dividende solle 50 Cent betragen - 4 Euro weniger als im Vorjahr. Die Bank hatte bereits Mitte Januar vor einem Verlust dieser Größenordnung gewarnt. Im Vorjahreszeitraum hatte das Institut noch eine Milliarde Gewinn gemacht.

Die Börse zeigte sich enttäuscht. Direkt nach Handelsbeginn stürzte die Aktie auf 19,72 Euro ab, ein Wertverlust von rund sieben Prozent. Mit Beginn der Pressekonferenz von Ackermann fing sich der Kurs jedoch wieder. Noch am Mittwoch waren die Aktien des Instituts im Plus. Die Börsianer hatten auf optimistische Aussichten auf das kommende Geschäftsjahr gehofft.

Doch Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann kann die Erwartungen nicht bestätigen. "Wir sind absolut unzufrieden mit unserem Ergebnis im vierten Quartal und dem daraus resultierenden Verlust im Gesamtjahr 2008", hieß es in einer Vorabmeldung. Die zuvor nie erlebten Marktverhältnisse hätten einige Schwächen im Geschäftsmodell erkennen lassen. "Deshalb ändern wir unsere Aufstellung in einigen Geschäftsfeldern", erklärte Ackermann.

"Keine Staatshilfen"

Der Start ins neue Geschäftsjahr gelang Ackermanns Worten nach deutlich besser. Im Januar habe die Bank Erträge von 2,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, ließ der Vorstandschef bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main wissen. "Dies ist deutlich über dem Vergleichswert im vergangenen Jahr und nur unwesentlich unter dem Spitzenwert von 2007", erklärte Ackermann.

"Dies stimmt uns bei aller gebotenen Vorsicht zuversichtlich für 2009. Wir sind sicher, die Deutsche Bank wird aus dieser Krise gestärkt hervorgehen." Erneut schloß Ackermann die Anspruchnahme von Staatsgeld für seine Bank aus. Er glaube, dass die Mitarbeiter der Deutschen Bank in 10 oder 20 Jahren stolz sagen könnten, dass dieses Institut die größte Finanzkrise seit der Großen Depression "eigenständig gemeistert" habe. Er sei heute sicherlich zuversichtlicher, als noch vor einigen Monaten.

Gleichwohl hob der Chef des deutschen Branchenprimus hervor, die Finanzbranche befinde sich weltweit in einer "schweren Krise". Davon sei auch die Deutsche Bank nicht verschont geblieben. "Aufgrund der Auswirkungen der Krise auf die Realwirtschaft wird von einer Zunahme von Kreditausfällen bei Unternehmen und privaten Haushalten ausgegangen", sagte Ackermann. Das Kreditbuch der Deutschen Bank weise allerdings eine gute Qualität aus.

  • Das Wörterbuch zur Finanzkrise
  • Krise der Finanzinstitute : Deutsche Bank reißt Banken-Aktien ins Minus
  • Milliarden-Verlust : Post steigt bei Deutsche Bank ein

Großer Anpassungsbedarf

Sein Institut gehe zudem davon aus, dass der Anpassungsbedarf der Wirtschaft "angesichts der schweren Rezession besonders in den USA und Europa groß sein wird". Zudem werde in vielen Industrien eine Konsolidierungswelle einsetzen. "Wir fokussieren uns daher auf die Restrukturierungs-, die Finanzierungs- und M&A-Beratung und wollen dort weitere Marktanteile gewinnen."

Weitere Antworten auf strategische Fragen blieben vorerst aus. Der Bereich Investmentbanking, mit dem sich bisher so vortrefflich verdienen ließ, ist zum Risikofaktor geworden. Im letzten Quartal 2008 fuhr das Ergebnis vor die Wand. Aus dem riskanten Wertpapierhandel auf eigene Rechnung hat sich die Bank bereits weitgehend zurückgezogen, berichtet die Financial Times Deutschland. 900 Investmentbanker mussten gehen.

Unternehmenskultur im Wandel

Ein Indiz dafür, dass sich die Unternehmenskultur grundlegend ändert. Sparen an allen Ecken und Kanten, heißt die neue Devise. Für die Banker in den Finanzmetropolen der Welt heißt das keine Taxis mehr, keine Flüge, keine teuren Geschäftsessen. Mit dem Kauf der Postbank will sich das Unternehmen zudem auf breitere Füße stellen. Viele Privatkunden liefern eine stabile Basis. Zudem setzt die Bank auf den bisher profitablen Handel mit Währungs- und Zinsprodukten. Zudem soll der deutsche Mittelstand weiter bedient werden.

Ackermann bekräftigte auf Nachfrage, er beabsichtige wie geplant im kommenden Jahr seinen Posten als Vorstandschef aufzugeben. Die Hauptversammlung 2010 werde "mit Sicherheit" sein letzter Tag im Amt. Dies sei lange so angekündigt und daran werde auch nichts geändert.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Karriere des Josef Ackermann

(DDP)