Deutsche Bahn untersucht fragwürdige Beraterverträge - Bundesrechnungshof prüft

20 Kontrakte unter der Lupe : Deutsche Bahn untersucht fragwürdige Beraterverträge

Über der Deutschen Bahn braut sich ein Skandal um möglicherweise rechtswidrige Beraterverträge mit früheren Vorständen zusammen. Mehr als 20 zwischen 2010 und 2018 geschlossene Verträge mit Managern werden unter die Lupe genommen.

Das sagten mehrere mit dem Fall Vertraute am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bahn-Aufsichtsratschef Michael Odenwald sagte Reuters: "Ich werde dafür sorgen, dass der Sachverhalt ohne Ansehen der Person vollständig aufgeklärt wird." Die Deutsche Bahn räumte "Auffälligkeiten" im Zusammenhang mit Beraterverträgen ein. Konzernkreisen zufolge sind viele Verträge offenbar ohne Genehmigung des Aufsichtsrats geschlossen worden, obwohl dies in der Regel der Fall sein müsste. Es gehe zudem um die Frage, ob für die insgesamt millionenschweren Verträge überhaupt eine Gegenleistung erbracht worden sei.

Der Staatskonzern berief am Donnerstag kurzfristig den kompletten Aufsichtsrat "aus gegebenem Anlass" zu einer Telefonkonferenz ein, wie mehrere Mitglieder bestätigten. Zudem soll sich das Gremium in der kommenden Woche in einer Sondersitzung mit dem Fall befassen, wie der Konzern bestätigte. Der Bundesrechnungshof ist inzwischen ebenfalls eingeschaltet: "Wir sind in diesem Bereich prüferisch unterwegs", sagte ein Sprecher der Behörde. Einzelheiten wollte er nicht nennen.

Laut Deutscher Bahn fielen die Unregelmäßigkeiten der internen Revision auf. Vorstand und Aufsichtsrat hätten daraufhin reagiert und eine externe Kanzlei mit der Prüfung beauftragt. Diese habe einen ersten Zwischenbericht vorgelegt. Dazu seien nun weitere externe Ermittler eingeschaltet, um die Untersuchung zu flankieren.

Der Fall kommt für die Deutsche Bahn zur Unzeit. Das Unternehmen ist finanziell angeschlagen und steht wegen mangelnder Pünktlichkeit im Fernverkehr und fehlender Zuverlässigkeit im Güterverkehr unter Druck. Ende Juni wollte sich der Konzernaufsichtsrat deswegen in einer Strategiesitzung eigentlich mit der Zukunft des Unternehmens und dessen milliardenschwerer Finanzlücke befassen.

(felt/Reuters)
Mehr von RP ONLINE