Schuldzuweisungen im Fall Bochum: Der Streit der Opel-Betriebsräte eskaliert

Schuldzuweisungen im Fall Bochum : Der Streit der Opel-Betriebsräte eskaliert

Nach dem Aus für den Produktionsstandort Bochum wird der Streit unter Opel-Arbeitnehmervertretern um die drohende Schließung des Werks Bochum wird immer heftiger. Nach Vorwürfen des Bochumer Betriebsrats an die Adresse der Kollegen in anderen Opel-Werken schlugen diese am Montag zurück.

Sie warfen dem Bochumer Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel vor, ein falsches Spiel zu treiben: Er tue so, als läge es in der Hand der anderen Standorte, das Werk im Ruhrgebiet zu retten. Das sei unredlich, schrieben mehrere Mitglieder der Verhandlungskommission der IG Metall bei Opel in einer öffentlichen Stellungnahme. Sie warfen den Bochumern vor, mit ihrer Entscheidung gegen den mit dem Opel-Vorstand ausgehandelten Sparplan das frühe Aus für ihre Fabrik selbst verschuldet zu haben.

"Anstatt zu versuchen, eine für ihn günstige Geschichtsschreibung zu erreichen, sollte sich der Bochumer Betriebsratsvorsitzende darauf konzentrieren, für die Bochumer Belegschaft zu retten, was noch zu retten ist", hieß es in dem IG-Metall-Schreiben. Bochum hatte als einziges Werk gegen die Vereinbarung gestimmt, weil der Betriebsrat hoffte, die Schließung der 50 Jahre alten Fabrik im Ruhrgebiet durch weitere Verhandlungen verhindern zu können. Daraufhin kündigte die Opel-Geschäftsleitung an, das Werk bereits Ende 2014 dichtzumachen und nicht erst zwei Jahre später, wie GM anfangs angeboten hatte.

"Nun verhandelt der Bochumer Betriebsrat in alleiniger Verantwortung und muss diese auch tragen", schrieben Mitglieder der Verhandlungskommission. Durch die Schließung des Werks Bochum fallen mehr als 3000 Arbeitsplätze weg. Die anderen Opel-Standorte erhielten dagegen Produktionszusagen bis Ende 2016. Der bislang in Bochum gebaute Familienwagen Zafira soll ab 2015 im Stammwerk in Rüsselsheim vom Band laufen. Opel schreibt seit Jahren rote Zahlen und muss seine Kapazitäten wegen der Absatzkrise in Europa herunterschrauben.

Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte seinem Bochumer Kollegen Einenkel nach dessen Ablehnung des Sanierungspakets eine "fatale Fehleinschätzung" der Lage bei dem Autobauer vorgehalten. Dieser wiederum bezichtigte Schäfer-Klug der Lüge und warf ihm vor, den Bochumern wichtige Informationen vorenthalten zu haben.

(REU/felt)
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