Paketdienste: Der Paketboom wirkt als Jobmotor

Paketdienste: Der Paketboom wirkt als Jobmotor

Neue Rekorde im Weihnachtsgeschäft bestätigen die Erwartung, dass die Zahl der Lieferungen in den nächsten Jahren weiter deutlich wachsen wird. Linke und Gewerkschaften beklagen prekäre Bedingungen bei Subunternehmen.

Viele Branchen profitieren vom Weihnachtsgeschäft, eine in diesem Jahr ganz besonders: Die KEP, die der Kurier-, Express- und Paketdienste. Die Deutsche Post DHL meldete diese Woche einen neuen Allzeitrekord: Erstmals wurden an einem einzigen Tag mehr als zehn Millionen Sendungen abgegeben.

Derzeit beschäftigt allein DHL 10.000 Aushilfskräfte mehr, setzt 12.000 Fahrzeuge zusätzlich ein, um den Paketboom zu stemmen. Berechnungen der Bundesregierung zeigen, dass diese Entwicklung kein Ausreißer nach oben ist, sondern nur den vorläufigen Höhepunkt eines jahrelangen Trends beschreibt.

Foto: ferl

Wie das Wirtschaftsministerium auf Anfrage der Linken mitteilte, entwickelte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei Post-, Kurier- und Expressdiensten stetig und mitunter sprunghaft nach oben. Ausgehend etwa von 227.863 Mitarbeitern im Jahr 2013 kamen im folgenden Jahr 5000 hinzu, im darauffolgenden 19.000 und im letzten Jahr weitere 12.000.

Seine Branche habe im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von 18,5 Milliarden Euro realisiert und 3,16 Milliarden Sendungen befördert, berichtet Florian Gerster, der Chef des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik. Im aktuellen Weihnachtsgeschäft sei im Vergleich zum Vorjahr mit einem erneuten Zuwachs von neun bis elf Prozent bei der Zustellung an den Endkunden zu rechnen. Das wäre ein Plus von 30 Millionen Sendungen auf insgesamt 290 Millionen Weihnachtspakete.

Doch die Anlieferung hinterlässt nicht nur Freude und leuchtende Augen unterm Tannenbaum. "Arbeiten im Wirtschaftszweig "Post-, Kurier- und Expressdienste' heißt, dass man oftmals mit prekären Bedingungen, unbezahlten Überstunden und oft krank machender Arbeitsbelastung abgespeist wird", kritisiert Linken-Arbeitsexpertin Jutta Krellmann.

Auf ihre Frage hin teilte die Bundesregierung mit, dass sich die Zahl atypischer Beschäftigungen in der Branche von 2010 bis 2016 von 325.000 auf 355.000 vergrößert habe. Das betreffe fast jeden fünften Mitarbeiter. Die Vergleichbarkeit aller Zahlen leidet jedoch unter jeweils unterschiedlichen Zuordnungen der Beschäftigung.

Die Großen der Branche versichern, sich konsequent von Subunternehmen zu trennen, die die gesetzlichen Vorgaben nicht einhielten. Gleichwohl berichtet die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi von "zunehmend katastrophalen Arbeitsbedingungen" bei Subunternehmen von Paketdiensten.

  • Stadt Willich : Paketdienste raten zur Vorsicht

Flankiert wird das von einem aus Branchensicht verbesserungsfähigen Preisbewusstsein vieler Verbraucher. Für einen Parkplatz in der Innenstadt zum Einkaufen der kurzen Wege würden immer höhere Gebühren akzeptiert, dagegen solle die Lieferung ins Haus mit mehrfachen Zustellversuchen so wenig wie möglich kosten.

In USA wird der "Amazon-Schlüssel" getestet

So experimentieren die Paketdienste mit neuen Zustellmöglichkeiten. In den USA basteln die Zusteller des Onlinehändlers Amazon mit ausgewählten Stammkunden an einem Verfahren, wonach sie per Smartphone die Haustüre selbst öffnen und die Lieferung hinterlegen können, wenn niemand zu Hause ist. Dazu wurde ein spezieller "Amazon-Schlüssel" entwickelt.

In einzelnen deutschen Städten werden alternative Ablagemöglichkeiten außerhalb der Haustüre getestet. So sollen Kofferräume zu Paketboxen werden. Die Zusteller erhalten dann nicht nur einen Hinweis, wo der Wagen des Paketempfängers steht, sie können dann mit einem per App ausgetauschten Code auch die Heckklappe öffnen und die Sendung darin verstauen. An dem Versuch sind bislang vor allem die Hersteller von Smarts und Volkswagen beteiligt.

Auch an anderen Engpässen wird gearbeitet. Gegen das lästige und den Verkehr blockierende Zweite-Reihe-Parken zahlreicher Paketdienste sollten Flächen für sie reserviert werden, schlug der DPD vor. Auch an eine noch stärkere Nutzung von Paketstationen wird gedacht, möglicherweise gefördert durch Zuschläge bei Hauszustellungen. Der Druck auf innovative Lösungen wächst: Die McKinsey-Unternehmensberater erwarten, dass der Markt bis 2025 von drei auf fünf Milliarden Lieferungen wächst.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, im vergangenen Jahr seien 3,16 Millionen Paketsendungen befördert worden. Statt "Millionen" muss es aber natürlich "Milliarden" heißen. Wir haben das korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

(may-)