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Mannesmann und Vodafone: Der größte Deal der Wirtschaftsgeschichte

Mannesmann und Vodafone : Der größte Deal der Wirtschaftsgeschichte

Vor genau 15 Jahren ergab sich Mannesmann der britischen Vodafone. 178 Milliarden Euro war die Fusion damals wert. Sie veränderte die Telekommunikation fundamental, zu neuen Technologietreibern wurden aber die Internet-Riesen.

Einen der größten Bürokomplexe Europas hat der Mobilfunk-Riese Vodafone im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt gebaut. Über 5000 Menschen arbeiten hier für den Mobilfunk, entwerfen neue Produkte, ersinnen innovative Tarife und lukrative Vertriebssysteme.

Sie machen die Landeshauptstadt zur deutschen, vielleicht sogar europäischen Kapitale des Mobilfunks. Doch nur wenige von ihnen wissen noch genau, was sich heute vor exakt 15 Jahren am 4. Februar 2000 nur wenige Kilometer von der neuen Zentrale ereignete. Tatsächlich vollzog damals eine Gruppe von Topmanagern der beiden Mobilfunkkonzerne Vodafone und Mannesmann den größten Deal der Wirtschaftsgeschichte. Für 178 Milliarden Euro, so vereinbarten die beiden Unternehmen, sollten die Mannesmann-Aktionäre ihre Anteile in Vodafone-Papiere umwandeln. Weder davor noch danach wurde bislang eine solche Summe bei einer Fusion oder Unternehmensübernahme erreicht.

Vorausgegangen war dem Deal eine beispiellose Übernahmeschlacht. Die Topmanager, Chris Gent von Vodafone und Klaus Esser von Mannesmann, jetteten rund um die Welt, um die Akteure an den Finanzplätzen New York, Singapur, London, Frankfurt, Paris oder Tokio von ihrer Sicht im feindlichen Übernahmekampf zu überzeugen. Rund eine Milliarde Euro sollen die beiden für Werbung, Investmentbanker, Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfer ausgegeben haben. Über mehrere Monate war Düsseldorf die wichtigste Ortsmarke in den internationalen Wirtschaftszeitungen. Zwei Mal erhöhte Vodafone-Chef Gent sein Angebot, bis am Ende die Mannesmann-Aktionäre 49,5 Prozent des neuen Konzerns hielten.

Mit großen Versprechungen hatte Gent auch die anfangs zurückhaltenden Politiker und Gewerkschafter geködert: Düsseldorf sollte die zweite Europa-Zentrale des Konzerns werden, die Mitbestimmung erhalten bleiben, die hochprofitable Industriesparte als eigenständiger Konzern an die Börse gehen. Am Ende blieben nur Sieger - die triumphierenden Briten, die besänftigten Politiker und Gewerkschafter, die Aktionäre, die sich über einen Kursgewinn von fast 150 Prozent freuen durften. Selbst Verlierer Klaus Esser, der Chef von Mannesmann, erhielt rund 30 Millionen Euro an Prämie und Abfindung, für die er sich vier Jahre später in einem der größten Wirtschaftsprozesse der Bundesrepublik verantworten musste.

Gent und Esser hatten mit dem Deal einen neuen Giganten geschaffen. Der Vodafone-Konzern - der Name Mannesmann verschwand schnell - hatte einen Marktwert von 350 Milliarden Dollar und war das viertwertvollste Unternehmen der Welt, nach Microsoft, General Electric und dem Netzwerkhersteller Cisco. "Für uns sind nicht Telekom oder Telefónica, sondern Microsoft und Nokia die Konkurrenten", tönte Julian Horn-Smith, damals die Nummer zwei bei Vodafone.

Es ging damals eben nicht nur um Eitelkeiten und schnelle Milliardengewinne, sondern um die richtige Strategie in einem der wichtigsten Zukunftsmärkte. Esser setzte auf die Integration von Festnetz, Mobilfunk und Internet, Gent wollte den globalen Mobilfunkkonzern. Am Ende hatten beide ein bisschen recht. Denn mittlerweile ist das mobile Internet und die Konvergenz der Systeme der entscheidende Technologietreiber. Aber im Mittelpunkt steht nicht so sehr das Mobilfunknetz, sondern die Anwendungen.

Die Bilanz nach 15 Jahren ist deshalb gemischt. Der Standort Düsseldorf hat nichts von seiner Attraktivität eingebüßt, auch wenn die Konzernentscheidungen in London getroffen werden. Das Mannesmann-Imperium hat Vodafone entgegen den Versprechungen völlig zerlegt. "Es blieb aber mehrheitlich in deutschen Händen", verteidigt Horn-Smith die Abweichung.

Die Deutungshoheit im Technologiesektor hat Vodafone indes an Apple, Google oder Facebook verloren, wenn der Konzern sie jemals hatte. Beim Marktwert rangiert Vodafone im unteren Drittel der 50 teuersten Weltkonzerne. Selbst im Mobilfunk sind die US-Riesen AT&T und Verizon viel wertvoller. Wenigstens haben die Aktionäre seit dem Tiefpunkt 2002 wieder rund 190 Prozent gutmachen können. Den Wert vom 4. Februar 2000 haben sie bis heute nicht erreicht.

(RP)