"Der ADAC wird den Skandal nicht überstehen"

Prüfbericht zu Manipulationen beim "Gelben Engel" : "Der ADAC wird den Skandal nicht überstehen"

Beim ADAC steigt am Montag die Nervosität: Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte wollen ihren Bericht zum Schummel beim Autopreis des Clubs vorlegen. Schon gibt es Stimmen, die meinen, der ADAC werde den Skandal nicht überstehen.

Von allen Seiten prasselt derzeit Kritik ein auf Europas größten Autoclub: Seit die Manipulationen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel" und die Verfehlungen einer ADAC-Manager bekannt geworden sind, befindet sich der Verein im Dauer-Verteidigungsmodus.

In der aktuellen Ausgabe der Hauszeitschrift "Motorwelt" predigte Club-Präsident Peter Meyer bestmögliche "Transparenz". Mit Spannung wird nun der Prüfbericht der Wirtschaftsprüfer von Deloitte erwartet, der am heutigen Montag dem ADAC übergeben wird und der Öffentlichkeit die nötige Transparenz vermitteln soll. Die Botschaft aus der Münchner Zentrale: Wir legen alles offen. Doch wann der ADAC die Ergebnisse öffentlich macht, das ist noch unklar.

Transparenz ist nicht gleich Transparenz

Die ADAC-Führung wolle den Deloitte-Bericht vor der Veröffentlichung genau studieren und bewerten, hieß es bei dem Autoclub. Deshalb sei noch nicht entschieden, ob man möglicherweise erst an morgigen Dienstag damit an die Öffentlichkeit gehe.

Unklar ist in diesem Zusammenhang auch, ob der ADAC den vollständigen Bericht oder eine Kurzfassung samt Bewertung öffentlich stellen wird. Zweiteres stünde allerdings in einem Widerspruch zu den Ankündigungen Meyers in der "Motorwelt".

Am Montag sagte der Enthüllungsjournalist Hans Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung" im Morgenmagazin der ARD: "Der ADAC wird den Skandal nicht überstehen." Das Problem sei hausgemacht und betreffe alle Bereiche: Ob Tests, Wahlen oder Statistiken, "es ist alles schräg oder getrickst oder manipuliert."

Ruf nach Konsequenzen wird lauter

Und auch der Ruf nach Konsequenzen ist am Wochenende wieder lauter geworden. "Ein ,Weiter so' ist beim ADAC aus meiner Sicht nicht möglich. Das Ausmaß von Filz und Manipulationen macht mich sprachlos", sagte CSU-Chef Horst Seehofer der "Bild-Zeitung".

Bislang steht fest, dass bei der Wahl des VW Golf zum Lieblingsauto der Deutschen die Zahlen nach oben frisiert wurden. Präsident Meyer hält auch eine Manipulation bei der Rangfolge der Fahrzeuge für möglich.

Rücktritt als "falsches Signal"

Die Autokonzerne BMW, Daimler und VW wollen die Untersuchungsergebnisse abwarten, bevor sie über eine Rückgabe ihrer ADAC-Preise entscheiden. Eine kollektive Rückgabe wäre ein weiterer Imageschaden für Europas größten Autoclub mit fast 19 Millionen Mitgliedern.

Einen Rücktritt lehnt ADAC-Präsident Meyer bisher entschieden ab: "Ausbüxen ist aus meiner Sicht das falsche Signal." Er sehe seine Pflicht darin, weiter für die gute Sache zu kämpfen, hatte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronologie der Pannen beim ADAC

(rpo)
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