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Dax: Wirecard-Aktien verlieren in Minuten mehr als 20 Prozent

Dax-Konzern : Wirecard-Aktien verlieren in Minuten mehr als 20 Prozent

Aktionäre des Dax-Konzerns Wirecard mussten am Mittwochnachmittag starke Nerven haben. Innerhalb von kürzester Zeit sackten die Papiere um mehr als 20 Prozent ab. Der Handel wurde temporär ausgesetzt.

Die Wirecard-Aktie ist nach erneuten Betrugsvorwürfen gegen den Zahlungsabwickler auf Talfahrt gegangen. Der Kurs des Dax-Konzerns brach am Mittwoch um fast 25 Prozent ein, nachdem die "Financial Times" über mögliche Straftaten eines Wirecard-Managers in Singapur berichtet hatte. Wirecard wies den Zeitungsbericht als verleumderisch zurück. Das Unternehmen aus Aschheim bei München war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Betrugsvorwürfen, die aber stets im Sande verliefen. Die Aktien von Wirecard brachen am Mittwoch um bis zu 24,7 Prozent auf 126 Euro ein und notierten damit so tief wie seit zweieinhalb Monaten nicht mehr. Der Absturz kam binnen weniger Minuten bei hohen Umsätzen. Die Börse unterbrach den Handel. Von Kursabstürzen nach ähnlichen Veröffentlichungen profitierten in der Vergangenheit Investoren, die erst geliehene Aktien verkauft hatten und diese dann billiger zurückkaufen konnten, um die Papiere schließlich an ihre Inhaber zurückzugeben. Diese so genannten Leerverkäufe sind zwar legal und an der Börse üblich. Wegen der vorherigen Anschuldigungen ermittelten aber die Finanzaufsicht Bafin und die Staatsanwaltschaft wegen Markmanipulation. Vor einigen Jahren wurden deswegen frühere Führungskräfte der Aktionärsvereinigung SdK verurteilt. Gegen den Herausgeber eines Börsenbriefs ist in München ein Strafbefehlsverfahren anhängig. In dem am Mittwoch online veröffentlichten Bericht der "Financial Times" hieß es, ein Wirecard-Manager in Singapur sei im vergangenen Jahr verdächtigt worden, gegen örtliche Gesetze verstoßen zu haben. In einer firmeninternen Präsentation sei von Dokumentenfälschung und Geldwäsche die Rede. Der Manager arbeite weiterhin bei Wirecard. Eine Konzernsprecherin bezeichnete den Zeitungsbericht als "falsch, ungenau, irreführend und diffamierend". Er entbehre jeder Substanz.

Am Morgen hatte der Konzern Zahlen vorgelegt und ein Gewinnplus bekannt gegeben. Das Betriebsergebnis kletterte im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 568 Millionen Euro und lag damit am oberen Ende der vom Vorstand angepeilten Spanne von bis zu 570 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs damit nicht ganz so stark wie der Umsatz, der um 40 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zulegte. Wirecard bekräftigte sein Gewinnziel von 740 bis 800 Millionen Euro im laufenden Jahr.

Die Analysten der Baader Bank erwarten, dass das Wachstum bei Wirecard anhalten wird. Das einzige Haar in der Suppe ist aus ihrer Sicht die schwächere Marge im vierten Quartal.

Wirecard wickelt Online-Zahlungen zwischen Händlern, Verbrauchern und Banken ab und kassiert dafür Gebühren. Damit profitiert das Unternehmen davon, dass weltweit immer mehr Menschen im Internet einkaufen oder an der Supermarkt-Kasse mit ihrem Smartphone bezahlen. Wirecard hatte zuletzt seine Kooperationen ausgeweitet, beispielsweise mit dem iPhone-Bezahldienst von Apple. Wirecard-Chef Markus Braun hatte bereits in der vergangenen Woche im Reuters-Interview gesagt, die Geschäfte seien sowohl im Schlussquartal 2018 und als auch seit Beginn des laufenden Jahres sehr gut gelaufen.

(felt/Reuters)