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Rohstoffe verlieren kräftig: Dax rettet sich knapp ins Plus

Rohstoffe verlieren kräftig : Dax rettet sich knapp ins Plus

Frankfurt/Main (RPO). Die Aussicht auf eine nur langsame Straffung der Geldpolitik in der Euro-Zone hat dem Dax zu einem minimalen Plus verholfen. Der Leitindex schloss am Donnerstag drei Punkte höher bei 7376 Punkten, nachdem er zeitweise 1,1 Prozent ins Minus gerutscht war. Belastet wurde der Markt im Tagesverlauf von enttäuschenden Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA.

Die deutlich höheren US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und das überraschende Auftragsminus der deutschen Industrie im März hätten die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt, sagte ein Händler. "Hinzu kommt, dass wir zuletzt unglaublich hoch gelaufen sind, da streichen viele Investoren gerade ihre Gewinne ein", fügte er hinzu. Die jüngste Aktien-Rally war in den vergangenen Tagen ins Stocken geraten, nachdem der Dax seit Mitte März gut 1000 Punkte zugelegt hatte. Die Wall Street notierte zu Handelsschluss in Europa im Minus.

Unterstützt wurde der Dax von der Geldpolitik der EZB: "Auf eine aggressive Zinserhöhungsserie, die das Wachstum gefährden könnte, müssen sich die Anleger wohl nicht einstellen", sagte ein Händler. Die Notenbanker tasteten den Leitzins von 1,25 Prozent - der seit der Zinswende vom April für die Euro-Zone gilt - nicht an. Indirekt signalisierte die EZB am Donnerstag auch, dass sie im Juni aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls stillhalten und den Leitzins nicht weiter erhöhen dürfte.

Adidas deutlich im Plus

Im Dax liefen Adidas an die Spitze - die Titel verteuerten sich um bis zu 7,8 Prozent auf einen Rekordwert von 53,77 Euro. "Die Zahlen waren besser als erwartet und sie haben die Umsatzprognose erhöht", sagte ein Händler. Der Sportartikelhersteller hatte trotz höherer Rohstoffkosten ein Rekordergebnis vorgelegt.

Auf der Verliererseite standen nach einer freundlichen Eröffnung die Aktien von HeidelbergCement mit einem Abschlag von 2,5 Prozent auf 49,07 Euro. Händler begründeten die Trendwende mit der Sorge um die gesamte Branchenkonjunktur, nachdem am Mittwoch Holcimdie Anleger enttäuscht hatte. Zudem hatte der weltgrößte Zementhersteller Lafarge seine Prognose für die weltweite Nachfrage gesenkt. Dass Lafarge selbst nur ein Prozent verlor, begründeten Börsianer damit, dass die Aktie noch mehr Aufholpotenzial als HeidelCement habe. Lafarge haben seit Jahresbeginn knapp drei Prozent verloren, HeidelCement 7,4 Prozent gewonnen.

Hohe Rohstoffkosten bereiten derzeit Continental Kopfzerbrechen: Aussagen von Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer, wonach der Reifenhersteller im zweiten Quartal mit einer stärkeren Belastung durch die steigenden Rohstoffpreise rechnet, drückten die Aktien gut drei Prozent ins Minus. Auch die meisten übrigen Autowerte waren wenig en vogue, da Anleger nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen Kasse machten: BMW und Daimler gaben bis zu 3,2 beziehungsweise 2,6 Prozent nach.

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Banken im Keller

Europaweit das Nachsehen hatten Bankenwerte, nachdem die Großbanken Lloyds und Societe Generale mit ihren Geschäftszahlen enttäuscht hatten. Lloyds, die zu Jahresbeginn wieder in die roten Zahlen gerutscht sind, rauschten in der Spitze um knapp zehn Prozent in die Tiefe. Societe Generale gaben nach der Bekanntgabe eines Gewinneinbruchs um bis zu 5,7 Prozent nach. "Die Quartalszahlen sind aufgrund der unerwartet hohen Wertberichtigung eine klare Enttäuschung und zeigen erneut die Anfälligkeit der Bank", schrieben Analysten der DZ Bank. Der europäische Bankenindex verlor 1,1 Prozent. Commerzbank gingen 2,9, die Deutsche Bank 0,8 und die Aareal Bank 3,6 Prozent schwächer aus dem Handel.

Rohstoffe verlieren deutlich

Anleger haben am Donnerstagnachmittag ihren Rückzug von den Rohstoff-Märkten beschleunigt. Der Preis für die Ölsorten Brent und WTI fiel um mehr als sieben Prozent auf 112,55 beziehungsweise 101,08 Dollar je Barrel. Der Silber-Kurs brach sogar um bis zu neun Prozent auf 35,79 Dollar je Feinunze ein. Damit hat das Edelmetall binnen Wochenfrist mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Auch bei den Industriemetallen und Agrar-Rohstoffen waren Kursverluste von mehr als vier Prozent keine Seltenheit. Der Reuters/Jeffries-Rohstoff-Index verbuchte mit einem Minus von 4,4 Prozent seinen größten Tagesverlust seit gut zwei Jahren.

Börsianer machten vor allem die wieder zunehmende Furcht vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur für den Kursverfall verantwortlich. Schwache US-Arbeitsmarktdaten hatten die Märkte kalt erwischt. Außerdem kursierten Gerüchte über eine bevorstehende Zinserhöhung in China. Silber litt zudem unter der drastischen Verteuerung der Spekulationen mit Terminkontrakten auf dieses Edelmetall.

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(RTR/felt)