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IKB-Verkauf: Das Bank-Desaster

IKB-Verkauf : Das Bank-Desaster

Düsseldorf (RPO). Die Rettungsaktionen für den angeschlagenen Mittelstandsfinanzierer haben Milliarden gekostet. Für das Unternehmen selbst und seine Mitarbeiter ist die Schreckenszeit aber noch nicht vorbei.

Irgendwie, so könnte man meinen, gibt es beim Verkauf eines Unternehmens kaum noch neues Vokabular. Bei der IKB ist das anders. Einen "angemessenen positiven Kaufpreis" glaubt der Großaktionär Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beim Verkauf an den US-Finanzinvestor Lone Star erzielt zu haben, und man hört schon aus der Formulierung die Zurückhaltung heraus, mit der die KfW das vorläufige Ende des IKB-Alptraums bewertet.

Vorläufig nur deswegen, weil die Sünden der Vergangenheit die KfW wieder einholen werden. "Wir haben das Kapitel IKB-Rettung nun abgeschlossen", sagte KfW-Chef Wolfgang Kroh gestern. Das sehen andere anders. Wer weitere Belastungen von bis zu 700 Millionen Euro aus der Übernahme von IKB-Risiken einräumt, der hat nicht mit dem Thema abgeschlossen. Wer sich mit einem Kaufpreis von nicht mal 150 Millionen Euro zufriedengibt, der würde das aber andererseits gern so schnell wie möglich tun.

Zeit der Unsicherheit darüber

Für die IKB-Mitarbeiter ist die Zeit der Unsicherheit darüber, wer künftig das Sagen als Eigentümer hat, vorbei. Aber Gewissheit über ihre Zukunft herrscht damit immer noch nicht. Für Diskussionsstoff sorgt die Tatsache, dass Lone Star mit der Corealkredit (Frankfurt/Main) eine weitere Bank in Deutschland gehört.

Die beschäftigt sich mit Immobilienfinanzierung und ist in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, München und Stuttgart vertreten. Das sind alles auch Standorte der IKB. Und weil es genug Branchenkenner gibt, die es für sinnvoll halten würden, dass Lone Star seinen Bankenbesitz zusammenlegt, könnten dann Standorte wegfallen. Allerdings wäre wohl Düsseldorf der Sieger im Kampf um die neue Unternehmenszentrale.

"Es geht nicht um Arbeitsplatz-Abbau"

Bankprofessor Wolfgang Gerke (Erlangen) hat ein anderes Modell vor Augen: "Lone Star hat die IKB billig bekommen. Da wäre es ein logischer Schritt, jetzt das Mittelstands-Geschäft anzukurbeln und die IKB nach drei Jahren wieder zu verkaufen — vermutlich an einen deutschen Konkurrenten, meint Gerke. Das ist aber alles Zukunftsmusik.

Zunächst bleibt die Aussage von Lone-Star-Deutschland-Chef Karsten von Köller, es gehe nicht um Arbeitsplatz-Abbau, sondern darum, die IKB wieder werthaltiger zu machen. Und dazu will von Köller, der Erfahrungen am deutschen Bankenmarkt hat, die IKB wieder stärker auf das Mittelstandsgeschäft ausrichten. 20.000 Kunden hat die Bank — das ist trotz aller Probleme der jüngeren Vergangenheit immer noch ein Pfund, mit dem sich wuchern ließe.

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Und die Politik? "Die wollte das Thema nur vor der Bundestagswahl noch beerdigt sehen", hieß es gestern in Berlin. Die Forderung der Opposition nach einem Untersuchungsausschuss habe aber kaum Aussicht auf Erfolg. Aber ein Glanzstück, da sind sich alle einig, war der Verkaufsprozess nicht. Fast 700 Millionen Euro weniger als erhofft hat die IKB unter dem Strich gebracht, und für ihre Hilfsaktion im März dieses Jahres hat der Bund der KfW auch schon 1,5 Milliarden Euro erstattet. "Linke Tasche, rechte Tasche" — so war gestern erneut die gängige Umschreibung des Verschiebebahnhofs, mit dem in Berlin die Lasten für die groß angelegten Rettungsaktionen bei der IKB hin- und hergeschoben worden sind.