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Automobilkonzern ist "zu deutsch geprägt": Daimler führt die Ausländerquote ein

Automobilkonzern ist "zu deutsch geprägt" : Daimler führt die Ausländerquote ein

Daimler ist ein global agierendes Unternehmen. Der Konzern mit Sitz in Stuttgart fertigt in 50 Werken weltweit seine Automobile, Lastwagen und Busse. Einigen ist Daimler aber offenbar zu deutsch. Sie fordern eine Ausländerquote auf Führungsebene.

Daimler beschäftigt knapp 274.000 Mitarbeiter, 100.000 davon sind im Ausland tätig. Der Automobilkonzern ist längst zu einem Global Player der Weltwirtschaft geworden. Daimler spielt seit Jahren mit im Konzert der Automobil-Größen.

Und doch sind nicht alle im Unternehmen zufrieden mit der Position des Konzerns im Vergleich zur Konkurrenz, insbesondere der deutschen Wettbewerber. Daimler verliert an Boden gegenüber den Premiumherstellern BMW und Volkswagen mit Audi.

Besorgnis erregende Zahlen

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Besorgnis, die konzernintern vorherrscht. Was den weltweiten Absatz im ersten Quartal 2012 betrifft, liegen einer Studie von Ernst&Young zufolge sowohl VW (plus zehn Prozent) und BMW (plus elf Prozent) vor Daimler (plus sieben). Zudem feiern die Münchner deutlich höhere Margen als die Schwaben.

Verglichen mit dem vierten Quartal 2011 hinkt Daimler auch in punkto Gewinnentwicklung im ersten Quartal 2012 deutlich zurück. BMW (plus 19 Prozent) und VW (plus zehn Prozent) haben die Stuttgarter (plus fünf Prozent) abgehängt. Weltmarktführer Toyota führt dieses Ranking mit plus 454 Prozent an.

Für Teile der Konzernspitze sind die Zahlen alarmierend. Sie fordern eine personelle Neuausrichtung und fördern Ausländer, die Führungsaufgaben bei Daimler übernehmen wollen. Der Zeitung "Welt" sagte Personalvorstand Wilfried Porth, man wolle mehr Manager aus dem Ausland in seine Führungsebene holen.

"Zu deutsch geprägt"

Das Problem: "Bislang ist der Konzern auf Managementebene noch sehr deutsch geprägt." Daimler sei aber ein global aufgestelltes Unternehmen und das große Wachstum finde derzeit in den USA, China oder anderen Ländern Ostasiens statt. "Dafür brauchen wir auch noch mehr Führungskräfte aus diesen Regionen."

Gerade auf dem Zukunftsmarkt China wolle man sich in Stuttgart nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, sagte Porth. Und auch hier belegen die Zahlen: Im ersten Quartal 2012 steigerten VW (plus 16 Prozent) und BMW (plus 34 Prozent) ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich — bei Daimler sank der Absatz hingegen um 14 Prozent.

Um hier voranzukommen, will der Autobauer eine Art Globalisierungsquote einführen. Porth in der "Welt": "Wir haben unser Nachwuchsprogramm CAReer überarbeitet und werden in dessen Rahmen pro Jahr 300 bis 500 junge Einsteiger gezielt auf leitende Führungsaufgaben vorbereiten."

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"Waren nicht optimal unterwegs"

So strebe Daimler, erklärte der Personalvorstand weiter, einen "Anteil von 50 Prozent Teilnehmern (..), die nicht aus Deutschland kommen" an. Ziel sei nun, Mitarbeiter aus den USA, China oder indien einzubinden. "Das Unternehmen soll auch im Management internationaler werden. Was das angeht, waren wir in der Vergangenheit nicht optimal unterwegs."

Nicht optimal waren in den vergangenen Wochen auch die Schlagzeilen, die Daimler und ihr Dieter Zetsche produzierten. Der Kontrakt des Vorstandschefs war vor kurzem nur um drei statt der üblichen fünf Jahre verlängert worden.

Daimler-Betriebsräte im Aufsichtsrat wollten nach Informationen des "Spiegel" und der dpa eine Vertragsverlängerung sogar verhindern. Sie kritisieren Zetsches Führungsstil, der keine Kritik und Diskussionen zulasse.

Rivalen deutlich rentabler

Daimlers Rivalen wie BMW und die VW-Tochter Audi produzieren deutlich rentabler. Die Schwaben bekommen die schrumpfenden Gewinne in ihrer Autosparte nicht in den Griff. Das bremst den gesamten Konzern. Zetsche rechnet nach einem Rückgang 2012 in diesem Jahr mit einem stagnierenden operativen Ergebnis. Helfen soll ein milliardenschweres Sparprogramm.

Die Konkurrenz habe im Augenblick eine breitere Produktpalette, besonders am unteren Ende. Zudem hätten die Rivalen früher in einen breiten Ausbau des China-Geschäfts investiert. Mit der eingeschlagenen Strategie und dem Ausbau der Produktpalette sei Daimler aber auf dem richtigen Weg.

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(rpo/nbe/csi/sap)