1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Jedes dritte Krankenhaus schreibt rote Zahlen: CSU fordert Sofortprogramm für Kliniken

Jedes dritte Krankenhaus schreibt rote Zahlen : CSU fordert Sofortprogramm für Kliniken

Der stellvertretende Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Johannes Singhammer (CSU), hat angesichts der finanziellen Notlage der Krankenhäuser in Deutschland ein Sofortprogramm für 2013 und 2014 über eine Milliarde Euro gefordert. Viele Kliniken machen die Kassen für ihre desolate wirtschaftliche Lage verantwortlich.

Mehr als 18 Millionen Mal gehen die Deutschen pro Jahr ins Krankenhaus. Meist sind sie sich nicht bewusst, dass die Häuser wirtschaftlich katastrophal dastehen: Fast ein Drittel der Kliniken schrieb 2011 rote Zahlen. Im Jahr zuvor war es nur ein Viertel. Das geht aus dem Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts hervor, in dem 245 Kliniken ab einer Größe von 50 Betten befragt wurden. Insgesamt habe sich die wirtschaftliche Lage der Kliniken in den vergangenen zwei Jahren merklich verschlechtert, teilte das Institut mit.

In fast zwei Dritteln der Krankenhäuser gingen die Umsätze zurück. Nur ein Viertel schätzte seine Wirtschaftslage im Jahr 2011 als gut ein. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vermutet, dass Kürzungen in Milliardenhöhe die Lage ebenso verschärfen wie die steigenden Kosten für Personal, Materialien und Energie. Auffällig schlecht schneiden die mittelgroßen Kliniken ab. Der Anteil der Kliniken, die einen Jahresüberschuss erwirtschafteten, sank von 75 auf 58 Prozent.

Es drohen viele Pleiten

Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung malt ein düsteres Bild: Insgesamt drohe fast jedem sechsten Krankenhaus die Pleite. Die Kliniken geben die Schuld den Krankenkassen, die Zahlungen verzögern oder ganz verweigern. "Zwei Drittel der Kliniken in Deutschland sind davon regelmäßig betroffen", so die DKG.

Die Folge: Außenstände von rund 1,1 Milliarden Euro. Die Kassen wiesen die Vorwürfe zurück. Es gäbe zu viele unnötige Operationen, während jedes fünfte Krankenhausbett leer bliebe, argumentierte ein Verbandssprecher. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums erklärte: "Es gibt keine Kürzungen bei den Krankenhäusern." Im Jahr 2011 hätten die Kliniken allein 60 Milliarden Euro von den Kassen erhalten. 2013 würden es voraussichtlich fast 65 Milliarden Euro sein. "Angesichts dieser Entwicklung müssen die Kliniken darlegen, wo diese Mittel geblieben sind."

Die CSU will den Kliniken hingegen mit einem Sofortprogramm helfen. "In diesem und im kommenden Jahr wollen wir eine Milliarde Euro aus den Überschüssen des Gesundheitsfonds gezielt in die Kliniken investieren", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) unserer Zeitung. Beispielsweise soll Kliniken im ländlichen Raum ein "Sicherstellungszuschlag" gezahlt werden. Von dieser Sonderzahlung könnte jedes zehnte Haus profitieren. Unterstützung sollen auch Kliniken erhalten, die speziell in die Ausbildung von Hygienefachkräften investieren. Mit jährlich 100 Millionen Euro will die CSU überdies 2000 zusätzliche Pflegekräfte in den Kliniken bezahlen.

(qua)