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Covestro: Trotz Corona steigt Dividende , Lohnkürzung zurückgezahlt

Trotz Gewinneinbruch steigt die Dividende : Covestro zahlt Lohnkürzung zurück

Nach einem Gewinnabsturz im ersten Halbjahr gelang dem Leverkusener Chemiekonzern eine Aufholjagd. Der Gewinn sank 2020 um acht Prozent. Dennoch sollen die Aktionäre eine höhere Dividende bekommen. Covestro hatte die Gehälter für ein halbes Jahr gekürzt.

Der Ausbruch der Pandemie hatte den Kunststoff-Hersteller Covestro so schwer getroffen wie kaum einen anderen Dax-Konzern. Als die Autofabriken in Europa die Bänder stoppten, brach der Gewinn der Leverkusener um fast ein Viertel weg. Covestro kürzte in der Folge die Löhne (gegen Freizeitausgleich) – ein ungewöhnlicher Vorgang für die deutsche Chemieindustrie. Doch mit der Erholung im zweiten Halbjahr setzte Covestro zur Aufholjagd an und kam mit einem blauen Auge davon: Covestro erzielte 2020 einen Vor-Steuer-Gewinn (Ebitda) von 1,5 Milliarden Euro. Das sind zwar 8,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor, doch Covestro hatte zunächst Schlimmeres erwartet. Der Umsatz sank um 13,7 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. Konzern-Chef Markus Steilemann zeigte sich erleichtert: „Wir sind sicher durch dieses außergewöhnliche Jahr gekommen und haben unsere Handlungsfähigkeit jederzeit bewahrt: Durch umfassende Maßnahmen haben wir unsere Beschäftigten geschützt und Lieferketten aufrecht erhalten.“

Folgen für Mitarbeiter Damit entspannt sich auch die Lage für die 16.500 Mitarbeiter. Sie mussten seit  Sommer für ein halbes Jahr auf 6,7 Prozent ihres Gehalts verzichten, Vorstand und Aufsichtsrat auf 15 Prozent ihrer Vergütung, leitende Angestellte lagen beim Verzicht dazwischen.„Im Dezember haben wir alles, was wir einbehalten haben, an die Mitarbeiter zurückgezahlt und zahlen seitdem auch die vollen Löhne wieder“, betonte Finanzvorstand Thomas Toepfer. Auch der Stellenabbau ist abgehakt. 2018 hatte Covestro den Abbau von 900 Stellen bis Ende 2020 angekündigt, davon 400 in Deutschland und hier vor allem in Leverkusen. Das Sparprogramm „Perspective“ wurde zum Jahresende abgeschlossen.

Folgen für die Aktionäre An den Anteilseignern geht die Krise dagegen vorbei. Sie erhalten für 2020 sogar eine höhere Dividende als im Vorjahr: Nun gibt es 1,30 Euro pro Aktie. Das sind zehn Cent mehr als im Vorjahr. Das rechtfertigte Toepfer so: „Dies ist angesichts der Bilanz 2020 gerechtfertigt, auch wegen des positiven Ausblicks“. Die Dividende entspricht einer Ausschüttung von 55 Prozent des Nettogewinns. Nun soll die Dividendenpolitik umgestellt werden. Künftig peilt Covestro eine Ausschüttungsquote von 35 bis 55 Prozent des Nettogewinns an. „Wir wollen die Dividende im Gleichklang mit den Gewinnen halten“, so Toepfer. In schwachen Jahren soll es dann auch nur eine geringe Dividende geben.

Folgen für die Bereiche Der Bereiche Polyurethane, der Vorprodukte für Hart- und Weichschäume herstellt, wie sie etwa für Autositze benötigt werden, musste Federn lassen. Hier brach der Gewinn um 3,5 Prozent ein. Noch ärger traf es den Bereich Coatings (Beschichtungen), der ebenfalls stark an der Autoindustrie hängt. Hier brach der Gewinn um 27,3 Prozent ein. Nur der Bereich Polycarebonate, der Kunststoffe etwa für Smartphones herstellt, legte beim Gewinn zu. Covestro spiegelt damit die Lage der Gesamtwirtschaft gut wieder. Nun organisiert sich der Konzern um: Standard-Polycarbonate und –Urethane kommen in einen Bereich, alle Spezial-Kunststoffe, mit denen sich höhere Gewinnmargen erzielen lassen, kommen in einen zweiten Bereich. Hierzu hat Covestro trotz Pandemie den Bereich Beschichtungsharze (RFM) vom Konkurrenten DSM für 1,6 Milliarden Euro übernommen.

Lernen aus Corona „Die Pandemie hat uns noch lange nicht aus dem kalten Griff der Pandemie entlassen“, warnte Steilemann. Der Konzern geht dennoch davon aus, 2021 den Gewinn von vor der Krise zu übertreffen. Manches aber wird sich trotzdem ändern: Geschäftsreisen könnten auf Dauer weniger werden, erwartet Toepfer. Die Krise habe gezeigt, dass es oft auch ohne persönliche Treffen gehe. Die jährlichen Reisekosten fielen von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag auf einen einstelligen Millionen-Betrag.