Energiekonzern : Corona-Krise erreicht Eon

Der Wirtschaftseinbruch lässt die Stromnachfrage sinken. Eon verliert 300 Millionen Euro Gewinn, Anleger sind enttäuscht. Die Innogy-Integration geht voran: Die ersten 1000 der 5000 Stellen auf der Streichliste sind abgebaut.

Zu Beginn der Corona-Krise sah es so aus, als könnte sie den Energieunternehmen nichts anhaben. Doch nun machen sich die Folgen der weltweiten Lockdowns, die Schließung der Autofabriken und der Stillstand in vielen Branchen auch bei ihnen bemerkbar: Im zweiten Quartal sank die Stromnachfrage in Deutschland um acht Prozent, in Italien und Spanien gar um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eon senkte deshalb zur Enttäuschung der Anleger seine Jahresprognose und erwartet nun, dass der Gewinn um 300 Millionen Euro geringer ausfällt als bislang erwartet und bei 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro liegen wird. „Dabei gehen wir davon aus, dass es keinen zweiten, einschneidenden Lockdown gibt“, sagte Konzern-Chef Johannes Teyssen.

Der Einbruch verteilt sich auf das Netz- und Kundengeschäft. „Alle unsere Geschäfte laufen robust. Bislang gab es auch keine nennenswerten Forderungsausfälle, aber wir berücksichtigen die Entwicklung“, so Teyssen.

Das Sorgenkind des Konzerns ist das britische Geschäft, das Eon mit der Übernahme des Innogy-Vertriebsgeschäfts geerbt hat. Hier sollen nun 5000 Stellen abgebaut werden – zusätzlich zu den bis zu 5000 Stellen, die im Zuge des Innogy-Deals ohnehin gestrichen werden. Der frühere RWE-Chef Peter Terium hatte die Probleme (IT-Probleme, Kundenschwund) auf der Insel nicht in den Griff bekommen. Nun greift Eon durch und saniert die fusionierte britische Tochter, im ersten Halbjahr machte sie endlich wieder Gewinn. Möglicherweise wird das Geschäft mit zehn Millionen Kunden anschließend verkauft. Teyssen wollte sich hierzu nicht in die Karten schauen lassen.

Die früheren Erzrivalen Eon und RWE hatten 2018 die Branche revolutioniert, indem sie die Zerlegung der RWE-Tochter Innogy vereinbarten. Zu Eon kamen das Netz- und Vertriebsgeschäft, zu RWE der Ökostrom von beiden Gesellschaften und eine Beteiligung von 16 Prozent an Eon. Anfang Juni drängte Eon die letzten Minderheitsaktionäre von Innogy heraus. Damit ist die Übernahme des jungen Konzerns jetzt abgeschlossen. Verträge zum Verkauf des deutschen Heizungsstromgeschäfts und der Geschäfte in Ungarn und Tschechien sind unterschrieben. Die EU-Kommission hatte dies zur Auflage für den Deal gemacht.

Eon will trotz der Corona-Krise an dem Ziel festhalten, 780 Millionen Euro ab 2024 einzusparen. Der Konzern bekräftigte: „Insgesamt ist im Zuge der Integration ein Abbau von bis zu 5000 Stellen vorgesehen.“ Davon entfallen jeweils 800 Stellen auf Essen und Dortmund. Der Abbau von 1000 Stellen sei bereits durch die erste Sprinterphase realisiert, erklärte Eon. Das betreffe gleichmäßig alle Verwaltungen. Der Konzern bietet Abfindungen und Vorruhestand an. Wer sich schnell entscheidet, bekommt etwas oben drauf. Nach der Übernahme von Innogy beschäftigt der Konzern 78.000 Mitarbeiter.

Johannes Teyssen ist zufrieden: „Unser neues Geschäftsmodell hat seine Widerstandsfähigkeit in stürmischen Zeiten unter Beweis gestellt.“ Die Anleger von Eon sind, anders als die von RWE, aber immer noch nicht recht von dem Umbau überzeugt. Am Mittwoch fiel die Aktie um rund ein Prozent auf 9,80 Euro. Analysten und Anleger waren enttäuscht über die Prognosesenkung. Zur Zeit der Deal-Verkündung 2018 lag die Aktie bei gut acht Euro. Die RWE-Aktie hat sich seitdem dagegen verdoppelt. Offenbar verfängt die Geschichte vom Umbau des Braunkohle- zum Ökostrom-Konzerns besser: Die Stadtwerke Krefeld haben gerade für 2,4 Millionen Euro RWE-Aktien gekauft.