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Zweitgrößte deutsche Bank: Commerzbank will angeblich 6500 Stellen abbauen

Zweitgrößte deutsche Bank : Commerzbank will angeblich 6500 Stellen abbauen

Die Commerzbank erwägt im Zuge des harten Sanierungskurses offenbar den Abbau von bis zu 6500 Stellen. Das berichteten das "Wall Street Journal Deutschland" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" übereinstimmend unter Berufung auf Insider und Finanzkreise.

Die Bank selbst wollte dazu keinen Kommentar abgeben. Den Berichten zufolge will der Vorstand im Februar Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat über die Details des Jobabbaus vornehmen. Bisher lägen keine konkreten Pläne vor, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di auf dapd-Anfrage.

"Unser Ziel ist es, den Stellenabbau so weit zu begrenzen, wie es irgendwie geht", sagte der Gewerkschaftssprecher. Am Mittwoch und Donnerstag nächster Woche gebe es eine Gesamtbetriebsratssitzung bei der Commerzbank, möglicherweise seien bis dahin Einzelheiten der Kürzungspläne bekannt.

Blessing bereitete Belegschaft auf "größere Einschnitte" vor

Der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing hatte bereits Anfang November bei der Vorstellung der neuen Strategie angekündigt, bis 2016 zwei Milliarden Euro investieren zu wollen und die Kosten zugleich unter der heutigen Marke von knapp 7,3 Milliarden Euro zu halten. Wie viele Stellen dabei wegfallen sollten, sagte Blessing damals nicht. "Klar ist aber, dass es hier durchaus auch zu größeren Einschnitten kommen wird", kündigte er an.

Schwierig dürfte es für Blessing aber werden, seinen Filialmitarbeitern Samstagsarbeit zu verordnen. Der Manteltarifvertrag sieht den Samstag nicht als Regelarbeitstag vor, selbst mit Zustimmung des Betriebsrats lässt sich daran nichts ändern, wie der ver.di-Sprecher erklärte.

Bei den vergangenen Tarifverhandlungen für Privatbanken sei lediglich vereinbart worden, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften ergebnisoffen über Samstagsarbeit beraten werden. Bislang habe es aber keine Gespräche gegeben.

Die Samstagsarbeit kann demnach nicht als Verhandlungsmasse in den Gesprächen über den Stellenabbau dienen. Zuletzt sprach aber einiges dafür, dass Personalvorstand Martin Zielke die Arbeitnehmervertreter vor die Wahl stellen könnte, entweder flexiblere Arbeitszeiten zu akzeptieren oder einen größeren Stellenabbau in Kauf zu nehmen.

"Je besser unser Angebot ist, je zufriedener unsere Kunden sind, um so stärker sind wir damit auf der Ertragsseite und umso weniger Personal müssen wir abbauen", hatte Zielke vor kurzem in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt.

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Bis zu 15 Prozent der Stellen im Inland betroffen

Nach eigenen Angaben hatte das zweitgrößte deutsche Finanzinstitut im dritten Quartal 2012 knapp 56.300 Mitarbeiter. Davon arbeiteten 43.400 im Inland. Dem "Wall Street Journal Deutschland" zufolge sprachen die Insider davon, dass 5.000 bis 6.500 Stellen in Deutschland dem Sparkurs zum Opfer fallen könnten, also bis zu 15 Prozent der Mitarbeiter hierzulande. Dieser Wert deckt sich mit dem von der "FAZ" genannten.

Die Commerzbank-Aktie konnte von den Gerüchten profitieren. Bei insgesamt schwachem Geschäft lag sie am Nachmittag mit einem Plus von 1,4 Prozent an zweiter Stelle im Leitindex DAX.

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(dapd)