Commerzbank droht bei Comdirect Flop

Geplanter Squeeze-out : Commerzbank droht Flop bei Comdirect

Deutschlands viertgrößte Bank will ihre Direktbanktochter voll übernehmen. Um das hinzubekommen, braucht sie im ersten Schritt 90 Prozent der Anteile. Doch der Plan wackelt, weil ein großer Anteilseigner Widerstand leistet.

 Normalerweise freut man sich als Großaktionär über einen Anstieg des Aktienkurses. Es sei denn, man will wie die Commerzbank bei der Direktbank-Tochter Comdirect auch noch den Rest des betreffenden Unternehmens kaufen. Und das natürlich möglichst günstig. Seit dem 20. September, dem Tag, an dem die Übernahmepläne der Commerzbank bekannt wurden,  ist der Aktienkurs der Comdirect gestiegen, von seinerzeit 9,15 auf 12,18 Euro. Ein Plus von knapp einem Drittel. Da wäre es für verkaufswillige Anteilseigner lukrativer, die eigenen Papiere über die Börse zu verkaufen, statt sie der Konzernmuttergesellschaft anzudienen. Die will nämlich bisher nur 11,44 Euro je Anteilsschein zahlen.

Der Comdirect-Höhenflug, der den Kurs des Papiers bis Mitte November auf 13,50 Euro  steigen ließ, bringt die Commerzbank-Pläne in Gefahr. Denn sie muss mindestens 90 Prozent der Aktien ihrer Tochter unter Kontrolle bringen, um die anderen Anteilseigner aus dem Unternehmen drängen zu können („Squeeze out“). Vor der Bekanntgabe der Offerte waren es 82 Prozent, seither ist dieses Paket nur unwesentlich gewachsen. Präzise um 0,24 Prozentpunkte, wie aus der bislang letzten Pflichtmitteilung am Donnerstag hervorging. Das Angebot läuft noch bis zum Freitagabend um Mitternacht.

Große Unterstützung von den Verantwortlichen der Comdirect gab es bisher nicht. Das Direktbank-Management hat zwar die Pläne  gutgeheißen – aber nur für kurzfristig orientierte Aktionäre. Eine Empfehlung an Langfrist-Eigentümer, das Commerzbank-Angebot anzunehmen, gab es nicht. Zu unklar erscheine die Strategie der Muttergesellschaft, hieß es.  Deren Zielrichtung: Kosten sparen und mit Hilfe der Direktbank die eigene Digitalisierung vorantreiben.  Wenn immer mehr Menschen ihre Bankgeschäfte übers Smartphone erledigen, könnte die Mutter viel von der Tochter lernen. Anders formuliert: Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung gleichen sich die Geschäftsmodelle von Commerzbank und Comdirect immer stärker an.

Doch diese Zukunftsidee ist vielen zu wenig dezidiert. Und das mangelnde Bekenntnis der Comdirect-Führung zu den Plänen aus Frankfurt ist Wasser auf die Mühlen des Londoner Comdirect-Investors Petrus Advisers, der schon seit geraumer Zeit die Performance der Direktbank als unterdurchschnittlich kritisiert. Er lehnt das Commerzbank-Angebot ab und macht dafür auch Stimmung bei den anderen Eigentümern: „Wir empfehlen allen Minderheitsaktionären, das öffentliche Kaufangebot aktuell nicht anzunehmen.“ Petrus Advisers hält nach eigenen Angaben mittlerweile 7,5  Prozent der Comdirect-Anteile. Würden also darüber hinaus noch Aktionäre mit Anteilen von zusammengerechnet weiteren 2,5 Prozent das Angebot ablehnen, wäre die Commerzbank gescheitert.  Für diesen Fall blieben Deutschlands viertgrößter Bank noch zwei Optionen: eine Schüppe drauflegen und so das eigene Angebot attraktiver zu machen oder die Direktbank formal auf die Muttergesellschaft zu verschmelzen. Dann würden die jetzigen Comdirect-Aktionäre direkt an der Commerzbank beteiligt.Dafür müssten bei beiden Unternehmen in getrennten Hauptversammlungen mindestens 75 Prozent des Kapitals zustimmen.

Vor allem bei der Commerzbank eine unsichere Angelegenheit. Deshalb ist die Fusion die weniger wünschenswerte Alternative aus Sicht von Commerzbank-Chef Martin Zielke. Der darf am Freitag allerdings auf den Last-Minute-Effekt setzen: Viele Aktionäre entscheiden sich erst in letzter Sekunde.