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GDL-Chef kämpft für Lokführer: Claus Weselsky — ein harter Hund

GDL-Chef kämpft für Lokführer : Claus Weselsky — ein harter Hund

Berlin (RPO). Der Mann mit dem Schnauzer ist in Sachen Tarifkonflikt bereits gestählt: Beim viele Monate laufenden Arbeitskampf der Lokführer-Gewerkschaft GDL um die Jahreswende 2007/2008 stand Claus Weselsky bereits vertretungsweise an der Spitze der Streikenden. Er vertrat dabei den damaligen GDL-Chef Manfred Schell, der sich auf dem Höhepunkt des Arbeitskampfes in die Kur am Bodensee verabschiedet hatte.

Damals zeigte Weselsky, der von Schell dann auch offiziell die Führung übernahm, dass er ein harter Verhandlungsführer ist, die Position der Lokführer kompromisslos vertritt und durchaus mit harten Bandagen kämpft.

Weselsky wurde am 18. Februar 1959 in Dresden geboren. Der geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes machte als Jugendlicher eine Ausbildung zum Schienenfahrzeug-Schlosser und Lokomotivführer. Seit seinem 18. Geburtstag steuerte er E- und Diesel-Lokomotiven durch die DDR, zunächst von Dresden aus und später von Pirna. Mit der Wende strebte Weselsky aber nach Veränderung. Er war bei der Geburtsstunde der GDL in Ostdeutschland dabei und wurde dort 1990 Vorsitzender der Ortsgruppe Pirna. Bald darauf verließ der langjährige Lokführer die Schienen: Vom Büro aus arbeitete er als Personalrat, Koordinator und Betriebsrat, seit 2002 ist er für seine GDL-Tätigkeit ganz freigestellt.

Weselsky entwickelte sich im Lauf der Zeit zum Gewerkschafter durch und durch. Im GDL-Bezirk Dresden war er von 1992 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender, seit 1999 ist er auch Vize des GDL-Bezirks Berlin-Sachsen-Brandenburg. Anders als in anderen Gewerkschaften, wo die neuen Länder nur eine kleine Rolle spielen, sicherte Weselsky sich damit seinen Einfluss in der GDL-Herzkammer: Nach der Wende schlossen sich 95 Prozent der DDR-Lokführer der GDL an, wodurch die Ostdeutschen bis heute die Mehrheit in der vergleichsweise kleinen Gewerkschaft stellen. So war es nur konsequent, dass Weselsky im Mai 2006 Vize der GDL und schließlich deren Chef wurde.

Nach innen zurückhaltend

Nach außen gibt sich Weselsky als harter Hund, nach innen tritt er immer wieder zurückhaltend auf - viele Mitarbeiter in der GDL-Zentrale in Frankfurt am Main siezt er. Auch gilt er als unkonventionell für einen Gewerkschaftschef, denn er ist angeblich CDU-Mitglied. Doch die Lokführer hat er hinter sich: Mehr als 90 Prozent stimmten in der jüngsten Urabstimmung für Streik. Und beim großen Protestauftakt der GDL in Berlin vor wenigen Wochen hatten ihm die mehr als 1000 GDL-Mitglieder minutenlang stehend Applaus gespendet, seine Rede mehrfach durch ihr Klatschen unterbrochen.

Diesen Rückhalt muss Weselsky sich bei dem Streik nun erhalten, und das könnte umso schwerer werden, je länger die Arbeitgeber hart bleiben. Denn wenn die Lokführer nun ihre Arbeit niederlegen, werden die meisten davon am Ende kaum etwas haben - selbst wenn sich die GDL mit ihren Forderungen durchsetzt. Während beim vorangegangenen Arbeitskampf der Gegner noch die Deutsche Bahn war, bei der der Großteil aller Lokführer dieser Republik arbeiten, richtet sich dieser Streik eher gegen die Wettbewerber des Staatskonzerns mit ihren deutlich weniger Lokführern.

Trotzdem wird auch die Deutsche Bahn bestreikt werden, denn sonst fiele der Streik in Deutschland wohl kaum jemandem auf. Praktisch muss also eine Mehrheit der Lokführer sich immer tiefer in einen Tarifkonflikt stürzen, damit eine Minderheit bessere Konditionen erhält. Wie lange diese Solidarität hält, ist fraglich.

(AFP/felt)