Claudia Buch

Eigentlich wollte Claudia Buch Journalistin werden und Lesern die Welt erklären. Während ihres Wirtschafts-Studiums an der Uni Bonn zeigte sich, dass sie auch dicke akademische Bretter bohren kann. So machte die Paderbornerin eine wissenschaftliche Karriere wie keine deutsche Ökonomin zuvor. Sie war die erste Frau, die ein großes Forschungsinstitut (IWH Halle) leitete. Sie war eine der ersten Frauen, die Wirtschaftsweise wurde. Seit 2014 ist Buch nun im Heiligsten angekommen: in der Bundesbank, wo sie nach Jens Weidmann die Nummer zwei ist. Als Vizepräsidentin wacht sie über die Finanzmärkte.

Der Aufstieg vollzog sich — natürlich — ohne Frauenquote, von der die 48-Jährige nicht viel hält. Hilfreicher findet sie eine solide Ausbildung und gute Arbeit. Buch erwarb ihr Handwerkszeug in Bonn, Wisconsin und Kiel. Zehn Jahre forschte sie am Institut für Weltwirtschaft. Dort gibt es Deutschlands größte wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek, Forscher aus allen Ländern und direkt vor der Tür die Förde, wo man sich in der Mittagspause den Kopf freiwehen lässt. Unaufgeregt ist die Professorin geblieben, obwohl sie heute die Fed-Chefin und morgen die Kanzlerin trifft. Familie und Freunde sorgen für Erdung.

Früh setzte Buch auf das Thema "Finanzmärkte", das machte sie schon vor Ausbruch der Eurokrise zur gefragten Ratgeberin. Sie hält nichts von einem Schuldenschnitt für Griechenland und viel von größeren Risikopolstern für Banken. Sie klärt im Hörsaal anschaulich über die Finanzwelt auf — so wie jüngst beim Vortrag als Heinrich-Heine-Professorin in Düsseldorf. Doch der große öffentliche Auftritt war nie ihre Sache. Seit ihre Worte als Bundesbank-Vize doppeltes Gewicht haben, ist sie noch vorsichtiger. "Claudia Buch schlägt nicht gerne mit den Flügeln", hatte ihr früherer Kieler Chef mal gesagt.

Schnell im Denken, kollegial bei der Arbeit, zurückhaltend im Auftritt — das schätzt auch Jens Weidmann an ihr. Die beiden sind Geschwister im marktwirtschaftlichen Geiste und stehen für eine neue Generation von Bundesbankern, die ihr Haus aus der Sinnkrise führen müssen, in die es der Euro gestürzt hat. Dass Buch im Herzen Forscherin und unabhängig bleibt, kann dabei nur helfen.

Mehr von RP ONLINE