Krise ist längst angekommen: China schönt die Wirtschaftslage

Krise ist längst angekommen : China schönt die Wirtschaftslage

Peking (RP). Die Statistik gaukelt westlichen Exporteuren einen gewaltigen Anstieg der chinesischen Kaufkraft vor. Dabei hat die Wirtschaftskrise auch die Chinesen getroffen. Die meisten verdienen viel weniger, als der Staat behauptet.

Die Arbeiter und Angestellten in den chinesischen Städten verdienten 2008 im Durchschnitt 29.229 Yuan (Renminbi), umgerechnet 2923 Euro. Das sind pro Monat rund 250 Euro —­ viel Geld angesichts der niedrigen Lebenshaltungskosten. Und es wird immer mehr, jedenfalls wenn man der amtlichen Statistik glaubt. Gegenüber 2007 stiegen die Löhne in den Städten um 17,2 Prozent, rechnete das staatliche statistische Amt vor.

In diesem Jahr geht es angeblich so weiter. Trotz der globalen Wirtschaftskrise konnten städtische Arbeiter und Angestellte im ersten Halbjahr ihren Lohn auf 14.638 Yuan steigern. Das sind 12,9 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2008. Das scheint umso schöner, als auch in China die Preise sinken. Nachrichten von steigender Massenkaufkraft hören die westlichen Exporteure gerne.

Realität contra Statistik

Doch die Realität sieht anders aus. Die meisten Chinesen stellten in den vergangen Wochen verblüfft fest, dass in ihren Lohntüten weniger ist als ihnen die Statistik weismachte und ihr Lohn langsamer steigt. Der bekannte Blogger "Xiayucai" umschrieb das Phänomen mit den drei Schriftzeichen "bei zengchang" ("Wir wurden hochgesteigert"). Sein Begriff macht als geflügeltes Wort die Runde und wird für immer mehr statistischen Angaben verwendet, die den Chinesen seltsam vorkommen.

Millionen Uniabsolventen, die tatsächlich arbeitslos sind, aber angeblich zu 70 Prozent eine Beschäftigung fanden, erklären ihren persönlichen Widerspruch damit, dass sie auf dem Papier einfach "in Arbeit versetzt wurden". Unternehmen, die in ihren Büchern tatsächlich rot sehen, werden in den amtlichen Statistiken einfach "gewinngesteigert" und als schwarze Zahlen schreibend geführt.

Was haben die Statistiker gemacht? Sie haben einfach nur die (hohen) Löhne der Beschäftigten von Staatsunternehmen, Aktiengesellschaften, Joint Ventures sowie Firmen aus Hongkong und Taiwan berücksichtigt. Sie kümmerten sich nicht um die Arbeitnehmer in Privatunternehmen und erst recht nicht um die 130 Millionen Wanderarbeiter. Sie berechneten auch nicht die Löhne der Bauern-Arbeiter, die in den Vorstädten oder Dorfindustrien arbeiten.

Von 410 Millionen Lohnempfängern wurden statistisch bislang nur 110 Millionen gehaltsmäßig registriert. Nun reagiert das Statistikamt auf die Kritik. Es gestand ein, dass seine Erhebungen nicht repräsentativ waren und kündigte eine Reform an. Künftig sollen bei der Berechnung der Durchschnitte auch die Einkommen der 67 Millionen aller Beschäftigten in chinesischen Privatunternehmen miteinbezogen werden. Laut der Zeitung "China Economic News" kamen die 67 Millionen für Chinas Privatunternehmen Arbeitende im Durchschnitt pro Jahr auf nur 17.071 Yuan.

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