Chemiekonzern: Bayer baut 4500 Jobs in Deutschland ab

Chemiekonzern : Bayer baut 4500 Jobs in Deutschland ab

Nach langem Ringen legt sich der Konzern fest: Ein Drittel der 12.000 Stellen, die er weltweit abbauen will, entfallen auf Deutschland. Am Dienstag will der Vorstand die Mitarbeiter per Brief informieren. Kündigungen sind ausgeschlossen.

Monate lang hat das Management von Bayer gerungen: Nun steht fest, wie stark der im November angekündigte Stellenabbau Deutschland trifft. So sollen hierzulande 4500 Arbeitsplätze wegfallen, wie unsere Redaktion aus Kreisen erfuhr. Dies will der Vorstand den Mitarbeitern am Dienstag per Brief mitteilen. Wenn sie am Morgen zur Arbeit kommen, sollen sie den Brief vorfinden. Damit fällt fast jede siebte Stelle von Bayer in Deutschland weg, der Konzern hat hierzulande 32.000 Mitarbeiter. Der Bayer-Sprecher wollte das nicht kommentieren. Weltweit hat Bayer 118.000 Stellen.

Und auch zu der Verteilung werden die Mitarbeiter etwas erfahren: Demnach entfallen 3000 der 4500 abzubauenden Stellen auf Querschnittsfunktionen (etwa in der Verwaltung und der Informationstechnik) sowie teilweise auf die Synergien, die Bayer durch die Monsanto-Übernahme heben will. 1000 weitere Stellen entfallen demnach auf andere Bereiche wie die Forschung. Dazu gehören insbesondere Stellen, die der Konzern in Wuppertal und Berlin streichen will sowie Arbeitsplätze im innovativen Faktor-8-Werk in Wuppertal. Dieses will Bayer noch vor der Inbetriebnahme einmotten, weil der Konzern in scharfem Wettbewerb steht und zu viele Kapazitäten aufgebaut hat.

In dem Brief wird nichts zu einzelnen Standorten gesagt. Doch in den Kreisen heißt es weiter, der Großteil der Stellen, die bei Querschnittsaufgaben wegfallen, entfalle in Leverkusen. Hier sitzen neben der Konzernzentrale auch viele andere Verwaltungsbereiche. Daneben treffe der Abbau aber auch Berlin und andere deutsche Standorte. Nun müssen die Details noch mit den Betriebsräten ausgehandelt werden.

In dem Brief betont der Bayer-Vorstand auch, dass der Abbau sozialverträglich erfolgen soll und betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2025 ausgeschlossen sind. So sieht es die bereits im vergangenen Jahr geschlossene Vereinbarung „Zukunftssicherung Bayer 2025“ vor. Entsprechend lukrativ fallen die Angebote aus, damit sich genug Freiwillige finden.

So haben Betriebsrat und Konzern bereits vor Wochen „Instrumente für die Personalanpassung“ vereinbart. Danach bietet Bayer Mitarbeitern, die jünger sind als 57 Jahre, eine Abfindung von einem Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr an. Und Bayer legt noch einen drauf: Wer vom Konzern angesprochen wird und den angebotenen Aufhebungsvertrag binnen vier Wochen annimmt, bekommt eine Sprinter-Prämie von 0,8 Monatsgehältern dazu. Insgesamt kann er also mit 1,8 Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr gehen. In der Spitze sind damit für Bayer-Mitarbeiter in Deutschland Gesamtabfindungen von bis zu 63 Monatsgehältern möglich.

Für Beschäftigte über 57 Jahre setzt der Leverkusener Konzern auf ein gut dotiertes Vorruhestandsprogramm. Ihnen bietet Bayer „Flexi Aufhebungsverträge“, die über sechs Jahre laufen. In dieser Zeit werden die betroffenen Mitarbeiter nach komplexen Formeln weiter vergütet, dabei spielen unter anderem Gehalt und Jahresleistung eine Rolle. Zudem zahlt Bayer weiter Rentenversicherungs-Beiträge, denn wenn der Mitarbeiter mit 63 in Ruhestand geht, soll er maximal Rentenabschläge von 7,2 Prozent hinnehmen müssen. Dieses Angebot soll für Beschäftigte gelten, die mindestens 35 Rentenversicherungsjahre haben.

Im November 2018 hatte Bayer den Stellenabbau angekündigt und erklärt, „ein signifikanter Teil“ werde auf Deutschland entfallen. Nun herrscht Klarheit. Damals hieß es: Die Kostenstruktur müsse deutlich verbessert werden. Ziel sei es, die Innovationskraft und Produktivität weiter zu stärken. Im Rahmen aller Effizienzmaßnahmen sollen ab dem Jahr 2022 jährliche Sparbeiträge in Höhe von 2,6 Milliarden Euro erreicht werden. Das schließe die Synergien aus der Monsanto-Übernahme ein.

Bayer hatte den Saatgutriesen für den Rekordpreis von 59 Milliarden Euro übernommen und ächzt nun unter der Klagewelle von Glyphosat-Nutzern. In Mitarbeiterkreisen heißt es immer wieder, man würde nun die Zeche für die Monsanto-Übernahme zahlen. Das weist Bayer immer wieder zurück und betont, dass es um in vielen Bereichen Handlungsbedarf bestehe.

Mehr von RP ONLINE