Cannabis-Anbau in Deutschland - 2020 erwartet der Bund die erste Ernte

Hilfe für Schwerkranke : Diese beiden Firmen dürfen künftig legal Cannabis in Deutschland anbauen

Zwei Anbieter für den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland stehen fest. Ein dritter und letzter soll bald folgen. 2020 erwartet der Bund die erste Ernte. Profitieren sollen schwer kranke Patienten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am Mittwoch die ersten Zuschläge im Vergabeverfahren für den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken erteilt. Die Aurora Produktions GmbH (Berlin) und die  Aphria Deutschland GmbH (Bad Bramstedt) dürfen künftig hierzulande Cannabis anbauen. Aurora erhielt den Zuschlag für fünf Lose je 200 Kilogramm Jahresmenge, Aphria bekam vier Lose. Die Ausschreibung umfasst insgesamt 10.400 Kilogramm Cannabis, verteilt auf vier Jahre. Für vier der insgesamt 13 ausgeschriebenen Lose kann derzeit noch kein Zuschlag erteilt werden, weil sich ein unterlegener Bieter mit einem Nachprüfungsantrag an die Vergabekammer gewandt hat, teilte das BfArM mit.

Präsident Karl Broich sagte: „Die heutige Zuschlagserteilung ist ein wichtiger Schritt für die Versorgung schwer kranker Patientinnen und Patienten mit in Deutschland angebautem Cannabis in pharmazeutischer Qualität. Gleichwohl bedauern wir, dass nun abermals wirtschaftliche Interessen eines Bieters dazu führen, dass wir nicht schon früher im vollen Umfang zur Verbesserung der Versorgungssituation beitragen können.“

Das Bundesinstitut erwartet die erste Ernte für das 4. Quartal 2020. Derzeit wird Cannabis zu medizinischen Zwecken aus dem Ausland importiert. Das BfArM hat hierbei keine Handhabe. Anders ist das jetzt beim geplanten Anbau in Deutschland. Hier übernimmt eine bundeseigene Cannabisagentur die Steuerung.

Das Unternehmen Aurora kündigte am Mittwoch bereits den Baustart für eine 10.000 Quadratmeter große Cannabisplantage im Biochemiepark Leuna (Sachsen-Anhalt) Anfang Mai an. Insgesamt werde Aurora mit diesem Projekt einen etwa zweistelligen Millionenbetrag am Standort investieren und 50 Arbeitsplätze schaffen, hieß es.

Unklar ist derzeit noch, ob die insgesamt ausgeschriebenen 10,4 Tonnen Cannabis ausreichen. Die Menge ist zwar viel höher als in der ersten Ausschreibungsrunde. Doch seit der Liberalisierung 2017 erlebt Medizinalhanf einen Boom. Hatten einst nur rund 1000 Kranke eine Ausnahmegenehmigung, können Ärzte heute Cannabis bei Vorliegen einer genauen Begründung frei verschreiben. Die Wirkstoffe von Cannabis können Schmerzen bei Krebserkrankungen, Übelkeit nach Chemotherapien oder Spastiken bei Multipler Sklerose lindern.

Weitere Informationen rund um das Thema Cannabis-Legalisierung und Anbau in Deutschland finden Sie hier.

Hier geht es zur Infostrecke: Cannabis-Anbau – wie man Hanf züchtet und wann das legal ist

Mehr von RP ONLINE