Bundesverkehrsministerium: Deutscher Wetterdienst soll mehr Gratis-Daten liefern

Digitale Infrastruktur : Deutscher Wetterdienst soll mehr Gratis-Daten liefern

Der Bundesminister für digitale Infrastruktur Dobrindt will mit einer Gesetzesänderung dem Deutschen Wetterdienst ermöglichen, mehr Wetterdaten gratis zur Verfügung zu stellen. Private Anbieter fürchten, dass ihnen dadurch ein wesentlicher Teil ihrer Geschäftsgrundlage entzogen werden könnte.

Die umstrittene Reform sieht vor, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) als nicht-gewinnorientierte Bundesbehörde seine Wetterdaten in größerem Umfang als bisher abgibt. Am Mittwoch wird sich das Bundeskabinett mit dem Entwurf befassen. Ziel des Bundesministers für digitale Infrastruktur Alexander Dobrindts (CSU) ist es, "privatwirtschaftliche Aktivitäten zu stärken oder zu initiieren und so volkswirtschaftlichen Nutzen zu schaffen", wie sein Ressort auf Anfrage schriftlich mitteilte.

Die vorgesehenen Veränderungen beim DWD, mit denen sich auch der Bundestag noch befassen muss, seien eingebettet in die europäischen und deutschen Maßnahmen zur Freigabe von Geodaten. Davon würden die privaten Wetterinformations-Anbieter profitieren, heißt es im Bundesministerium.

Doch eben diese Anbieter laufen nun Sturm gegen Dobrindts Pläne. "Die Unternehmen der privaten Wetterwirtschaft teilen die Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums nicht", sagte Joachim Klaßen, Geschäftsführer von Wetter Online und Vorstandsmitglied im Verband der Wetterdienstleister.

Knackpunkt ist aus ihrer Sicht die kostenfreie Warnwetter-App des DWD, die sich bereits großer Beliebtheit erfreut. "Das entgeltfreie und steuerfinanzierte Anbieten von Endprodukten durch den DWD ist eine Wettbewerbsverzerrung", so Klaßen. Sein Argument: Die App kann werbefrei Wetterdaten über Unwetterwarnungen hinaus liefern, während private Angebote zur Refinanzierung Werbung schalten müssten. Mehrere Dienstleister reichten Klage gegen die App ein. "Die App des DWD ist ein Prestige-Projekt von Herrn Dobrindt auf Kosten des Steuerzahlers", sagte Klaßen.

Beim Deutschen Wetterdienst selbst weist man die Befürchtungen der Privaten zurück. "Die Sorgen sind unbegründet, weil der DWD als nicht-gewinnorientierte Behörde keine eigenen Geschäftspraktiken betreibt", sagte ein Sprecher. Man komme mit dem Angebot vielmehr der gesetzlich vorgeschriebenen Daseinsvorsorge nach, hieß es.

(jd)
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