Mögliche Lieferengpässe: Bundesregierung besorgt über Gas-Streit

Mögliche Lieferengpässe: Bundesregierung besorgt über Gas-Streit

Berlin (RPO). Der Gas-Streit zwischen dem russischen Konzern Gazprom und Weißrussland wird in der Bundesregierung mit Sorge betrachtet. Angesichts möglicher Lieferengpässe in Europa forderte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, den Konflikt um die Gaspreiserhöhung möglichst schnell beizulegen. Auch EU-Energiekommissar Andris Piebalgs mahnte, die Gaslieferungen nach Europa nicht zu gefährden.

"Ich appelliere an die Konfliktparteien, schnellstmöglich eine tragfähige Vereinbarung über den Preis des von Gazprom an Weißrussland gelieferten Gases zu erreichen und damit ihre Verlässlichkeit sowohl als Liefer- als auch als Transitland unter Beweis zu stellen", erklärte der CSU-Politiker am Donnerstag in Berlin.

Die betroffenen deutschen Gasversorger haben laut Glos zugesichert, "alle erforderlichen Maßnahmen getroffen zu haben, um auf mögliche Lieferengpässe adäquat zu reagieren". Glos erklärte: "Aufgrund der bestehenden Speicherkapazitäten und der geringen Liefermengen über die Gaspipeline durch Weißrussland ist in Deutschland eine Gefährdung der Versorgungssicherheit nicht zu befürchten." Die Bundesregierung stehe ebenfalls in Kontakt mit der Europäischen Kommission, erklärte Glos. Die Kommission habe für den 4. Januar eine Sitzung der EU-Gaskoordinierungsgruppe in Brüssel einberufen.

Der russische Gazprom-Konzern will Weißrussland den Gashahn abstellen, falls das Nachbarland nicht bis zum 1. Januar einem neuen Vertrag mit höheren Preisen zustimmt. Am Mittwoch waren die Gazprom-Kunden in Westeuropa vor möglichen Versorgungsengpässen bei Gaslieferungen über Weißrussland gewarnt worden.

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Der ukrainische Energieminister Jurij Bojko erklärte, sein Land sei in der Lage, mit einer Ausweitung seiner Transitlieferungen an Europa etwaigen Engpässen vorzubeugen. Nach dem erbitterten Gasstreit vor einem Jahr hat sich die neue Regierung unter dem prorussischen Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch diesmal schon früh mit Gazprom über den Preis für 2007 geeinigt. Demnach wird Kiew 130 Dollar (rund 100 Euro) für 1.000 Kubikmeter Gas zahlen. Dies ist ein Anstieg um 40 Prozent gegenüber 2006, aber nur etwa die Hälfte des Preises, den Russland von anderen ehemaligen Sowjetrepubliken verlangt.

Weißrussland dagegen soll auch künftig weitaus weniger bezahlen. Der geforderte Preis von 105 Dollar pro 1.000 Kubikmeter bedeutet allerdings mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2006. Außerdem soll die Regierung in Minsk 50 Prozent ihrer Anteile am Erdgas- Verteilsystem an Gazprom abtreten.

(ap)
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