17.000 Stellen sollen gestrichen werden: Bundesagentur will eine Milliarde Euro sparen

17.000 Stellen sollen gestrichen werden : Bundesagentur will eine Milliarde Euro sparen

Die Arbeitslosigkeit ist in den vergangenen Jahren kräftig gesunken - jetzt soll die Belegschaft der Bundesagentur Federn lassen. 17.000 Stellen sollen bis zum Jahr 2016 gestrichen werden. Entlassungen lehnt BA-Chef Frank-Jürgen Weise allerdings strikt ab.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will angesichts sinkender Arbeitslosenzahlen jetzt bei der eigenen Verwaltung den Rotstift anlegen. Bis zum Jahr 2016 solle die Nürnberger Bundesbehörde eine Milliarde Euro an Verwaltungskosten einsparen, kündigte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise am Mittwoch in Lauf bei Nürnberg an. Um das Ziel zu erreichen, sollen bundesweit 17.000 Stellen gestrichen werden; das allein verspreche eine Kosteneinsparung von rund 750 Millionen Euro, sagte Weise bei einem Journalistenseminar. Derzeit beschäftigt die Bundesagentur 115.300 Mitarbeiter.

Restriktive Einstellungspolitik

Weise will dabei ohne Entlassungen auskommen und setzt stattdessen auf eine restriktivere Einstellungspolitik. Zudem gingen in den kommenden Jahren viele ältere Mitarbeiter in den Ruhestand; nicht jede freiwerdende Stelle werde wieder besetzt. Auf Entlassungen will Weise allerdings verzichten. Darüber hinaus will der BA-Chef bei Informationstechnologie und Sachkosten sparen. Der Service werde darunter aber nicht leiden, verspricht er. So werde die Bundesagentur weiterhin ihr Netz von 1000 Arbeitsagenturen und Geschäftsstellen aufrechterhalten. Den Kontakt zu den Menschen vor Ort halte er für wichtig.

Der Verwaltungsratsvorsitzende der Bundesagentur, Peter Clever, warnte unterdessen vor Forderungen der Politik nach einem überzogenen Personalabbau bei der BA. "Wer meint, mit einem Drittel weniger Arbeitslosen könne auch die Belegschaft der Bundesagentur um ein Drittel gekürzt werden, verkenne die Dynamik am Arbeitsmarkt", gab Clever zu bedenken. Mit der wachsenden Flexibilität am Arbeitsmarkt seien Vermittler weitaus häufiger mit Anliegen von Arbeitslosen konfrontiert als noch zum Start der Hartz-Reformen im Jahr 2005.

"Jetzt kommt die schwierige Klientel"

Clever, der die Arbeitgeber im BA-Verwaltungsrat vertritt, warnte zudem vor weiteren Kürzungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Wer dies mit Hinweis auf die gesunkene Arbeitslosigkeit fordere, verkenne die arbeitsmarktpolitische Realität. Mit dem Rückgang der Arbeitslosenzahlen kristallisiere sich immer stärker der harte Kern der Arbeitslosen heraus. "Jetzt kommt die schwierige Klientel. Da wird man pro Arbeitslosem noch mehr investieren müssen, wenn man eine nachhaltige Vermittlung ermöglichen will", sagte Clever. Für diese Gruppe seien längerfristige berufliche Bildungsmaßnahmen erforderlich, forderte er.

(dpa)