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Experten finden Hinweise auf Batterieprobleme: Boeing stoppt Auslieferung von Dreamlinern

Experten finden Hinweise auf Batterieprobleme : Boeing stoppt Auslieferung von Dreamlinern

Der US-Flugzeughersteller Boeing will nach der jüngsten Pannenserie bei seinen Maschinen vom Typ 787 vorerst keine der sogenannten neuen Dreamliner ausliefern. Die Kunden sollen die bestellten Maschinen erst wieder erhalten, wenn entsprechende Reparaturarbeiten ausgeführt und von der US-Luftfahrtbehörde FAA als zufriedenstellend eingestuft werden, wie Boeing am Freitag mitteilte.

Die Produktion der Dreamliner soll demnach jedoch fortgesetzt werden. Die Flugzeuge werden in Boeing-Werken in den US-Staaten Washington und South Carolina montiert. Insgesamt hatte Boeing für sein neuestes und technisch anspruchsvolles Flugzeug fast 800 Aufträge von Fluggesellschaften aus aller Welt erhalten.

Die FAA sprach diese Woche wegen zuletzt mehrfach aufgetretener Probleme mit den Bordbatterien ein Startverbot für sämtliche 787 Dreamliner der United Airlines aus und ordnete eine systematische Überprüfung an. Zuvor hatte ein Dreamliner von All Nippon Airways wegen Batterieproblemen in Takamatsu notlanden müssen, weil eine schmorende Batterie zu Brandgeruch an Bord geführt hatte. All Nippon Airways (ANA, 17 Flugzeuge) und Japan Airlines (sieben Flugzeuge) stoppten noch am Mittwoch freiwillig ihre Flüge mit dem Dreamliner. Die nationale Luftfahrtbehörde sprach wenig später auch ein Startverbot aus.

Experte sieht überladene Batterien als mögliche Ursache

Derweil kamen Experten für Luftsicherheit bei ihrer Untersuchung der jüngsten Pannenserie auf eine erste heiße Spur. Das Schmoren der Lithium-Ionen-Batterien an Bord zweier Dreamliner sei womöglich durch deren Überladung ausgelöst worden, sagte der japanische Ermittler Hideyo Kosugi. Dies legten die angekohlten Innenteile der Bordbatterie nahe, die ein Übermaß an Spannung abbekommen habe. Bei der schmorenden Batterie an Bord der Maschine der All Nippon und dem vorangegangenen Brand einer Reservebatterie in einem leeren Boeing 787 auf dem Rollfeld des Flughafens von Boston sei von der gleichen Ursache auszugehen.

Sollten die jüngsten Pannen tatsächlich auf überladene Batterien zurückzuführen sein, wäre das für Boeing eine gute Nachricht, sagte der US-Luftsicherheitsexperte John Goglia. Ein derartiger Fehler in der Flugzeugelektronik sei wahrscheinlich leichter behebbar als die Lithium-Batterien durch andere Batterien ersetzen zu müssen, fügte er hinzu.

Der erst 2011 in Dienst gestellte Dreamliner ist das prestigeträchtigste Projekt des Airbus-Konkurrenten aus den USA. Die Maschine ist zu großen Teilen aus leichten Karbonfasern gebaut und gilt daher als sparsam im Spritverbrauch - ein Hauptgrund für die große Nachfrage. Allerdings kam es schon vor dem Jungfernflug immer wieder zu technischen Problemen. Bereits 2012 waren mehrmals Probleme gemeldet worden. Zuletzt sorgten dann binnen kürzester Zeit Treibstofflecks, eine gesprungene Cockpit-Scheibe und ein weiterer Batteriebrand für Aufsehen. Betroffen war in allen Fällen die Fluggesellschaft All Nippon Airways.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht der Dreamliner von innen aus

(APD/felt)